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[Quelle: junge Welt - 13.4.2000]

Wo laufen sie denn?

Nazis mobilisieren für den 1. Mai unter anderem nach Hannover und Berlin-Hellersdorf.

Eine Fülle von Aufmärschen kündigt die neofaschistische NPD für den diesjährigen 1. Mai an. Aus der NPD-Bundeszentrale in Berlin-Köpenick berichtet der für die Parteipräsentation in der Hauptstadt verantwortliche Andreas Storr stolz davon, daß es gelungen sei, »am nationalen Tag der Arbeit bundesweit mehr als ein Dutzend Kundgebungen« anzumelden. Daß diese jedoch im angekündigten Umfang stattfinden, kann ernsthaft bezweifelt werden.

Um Potentiale zu bündeln und möglichst kraftvoll zu erscheinen, wird sich die NPD auf wenige Aufzüge - bundesweit wahrscheinlich sogar nur auf einen Aufmarsch - beschränken. Mit der Anmeldung vieler Kundgebungen verfolgt die NPD die Taktik, antifaschistische Kräfte zu spalten, so daß diese sich möglichst breit streuen und an den relevanten Punkten nur in kleinen Gruppen vorzufinden sind. Außerdem will man sich bei eventuellen Verboten einzelner Aufmärsche ausreichend Ausweichmöglichkeiten offenhalten.

An welchen Orten letztlich marschiert wird, kann in der Regel kurzfristig über spezielle Foren im Internet oder die sogenannten »Nationalen Infotelefone« (NITs) erfahren werden, von den es bundesweit mindestens zwölf gibt. Die Neonazipartei kündigt an, unter anderem in Berlin-Hellersdorf, Weimar, mehrfach in Bayern, in Grimma sowie Hannover und Wetzlar marschieren zu wollen.

Ähnliche Methoden wurden bereits im vergangenen Jahr angewandt. 1999 waren die Neofaschisten zwar mit ihrem Versuch gescheitert, eine »nationale Großkundgebung« in Bremen gerichtlich durchzusetzen, insgesamt tausend von ihnen gelang es aber dennoch, sich auf den ohnehin angemeldeten Aufmärschen in Ahrensburg und Quickborn zu präsentieren. Diesmal wird seitens der Nazis beabsichtigt, die zu erwartenden Massenproteste gegen die Weltwirtschaftsausstellung EXPO in Hannover mit rassistischen und völkischen Floskeln für sich zu instrumentalisieren (jW berichtete). Außerdem wird von den Nazis erwogen, im Berliner Bezirk Hellersdorf unter dem Motto »Arbeit zuerst für Deutsche« aufzumarschieren.

Entschlossenen Widerstand gegen diese Naziprovokation zu leisten hat sich nun ein »Bündnis gegen Rechts, Hellersdorf/Marzahn« auf die Fahnen geschrieben. Bisher wird vermutet, daß die Neofaschisten am U-Bahnhof Louis-Lewin-Straße starten und auf dem Cecilienplatz eine Kundgebung durchführen werden. Das Antifabündnis organisiert eine Gegenkundgebung vor dem Rathaus Hellersdorf (U-Bahnhof Hellersdorf), die voraussichtlich um 12 Uhr beginnen wird. Autonome Strukturen planen zudem, den Naziaufmarsch mit dezentralen Aktionen zu verhindern.

»Neben den zahlreichen Aktivitäten gegen Faschisten ist es am 1. Mai jedoch wichtig, eigene politische Akzente zu setzen«, erklärte ein Sprecher der unabhängigen Antifa gegenüber jW. Gelegenheit dazu bietet die traditionelle revolutionäre 1.-Mai-Demonstration, die in diesem Jahr um 18 Uhr am Oranienplatz unter dem Motto »Imperialistische Zentren angreifen - für die soziale Revolution weltweit« stattfinden soll.

Andreas Siegmund-Schultze/Arian Wendel

Infotel.: 030/27560756; für die Demo in Hellersdorf: 0177/3638242

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