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Quelle: Berliner Zeitung - 28.4.2001
1. Mai: 9 000 Polizisten sind im Einsatz
Autonome wollen trotz Verbot demonstrieren
Lutz Schnedelbach und Gilbert Schomaker
Nie zuvor wurden am 1. Mai in der Stadt so viele Polizisten eingesetzt, um Ausschreitungen zu verhindern, wie in diesem Jahr. Für die Polizei gilt in der Zeit von Sonnabendmorgen 6 Uhr bis zum 2. Mai 24 Uhr erhöhte Einsatzbereitschaft. Bis zu 9 000 Beamte werden in der Stadt sein. Der Einsatz kostet mehrere Millionen Mark.
Bis kommenden Mittwoch werden die Ausweiskontrollen und die Personenüberprüfungen verstärkt. Deshalb raten Polizisten vor allem in Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Mitte und Friedrichshain, Ausweise stets bei sich zu tragen. Auch die Kontrollen auf Bahnhöfen sowie an Autobahnzufahrten seien intensiviert worden, hieß es im Polizeipräsidium. Die Innenverwaltung wies Gerüchte zurück, nach denen ganze Stadtteile ab Sonnabend abgeriegelt werden. "Es gibt keinen Ausnahmezustand", sagte ein Beamter.
Anschlag auf Autos
Wegen des Verbots der revolutionären 1.-Mai-Demo riefen autonome Gruppen am Freitag dazu auf, sich nun an der DGB-Demonstration in Mitte sowie am Straßenfest auf dem Mariannenplatz in Kreuzberg zu beteiligen. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts rechnet die Polizei mit verstärkten Aktionen der autonomen Szene im Vorfeld des 1. Mai. Sie ist vermutlich für einen Anschlag auf Autos des Fernsehsenders TV-Berlin verantwortlich. Am Freitagmorgen gegen 2.30 Uhr hatten Wachleute in der Panoramastraße in Mitte sechs beschädigte Fahrzeuge entdeckt. Auf eines hatten die Täter geschrieben: "1. Mai 01".
Die ersten Polizei-Einheiten aus anderen Bundesländern sollen am Sonnabend eintreffen. Die meisten Beamten werden in Polizeiunterkünften untergebracht. Einzelne Abteilungen übernachten in Wandlitz und in der Polizeischule in Basdorf. In einem Seniorenheim im alten Humboldtkrankenhaus in Reinickendorf wurden in leer stehenden Etagen Betten aufgestellt. In einer Klinik in der Clayallee in Zehlendorf richtete sich der Stab der baden-württembergischen Polizei ein. Magdeburger Beamte ziehen in das Theodor-Wenzel-Werk in der Hohenzollernstraße.
Zu den Neuerungen gehört in diesem Jahr der Aufbau von 50 so genannten Bearbeitungstrupps. Die Teams bestehen aus 150 Beamten der Direktion 1. Sie sollen schnellstmöglich die Personalien von festgenommenen Störern und Straftätern aufnehmen.
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