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Quelle: Berliner Morgenpost - 29.4.2001
Das lange Warten auf den Tag X
4400 Polizisten aus dem Bundesgebiet unterstützen ihre Berliner Kollegen.
Von Dirk Banse
Britta Schefter blinzelt in die Sonne. Die 26-jährige Polizistin aus Magdeburg lehnt an einem Mannschaftswagen und genießt die wenigen Sonnenstrahlen, die sich durch die Wolken über Berlin mogeln. «Am 1. Mai wird es bestimmt dicke Luft geben», sinniert die attraktive Frau aus Sachsen-Anhalt, die mit etwa 250 Kollegen seit gestern ihre Unterkunft in Wannsee bezogen hat. Sie gehört zu den zirka 4400 Polizisten aus dem Bundesgebiet, die ihre Berliner Kollegen bei den befürchteten Mai-Krawallen unterstützen sollen.
Am gestrigen Tag wirkten die Beamten jedoch noch entspannt. Die Bereitschaftspolizisten aus Sachsen-Anhalt saßen am Vormittag in den Gemeinschaftsräumen ihrer Unterkunft, tranken Kaffee und plauderten. Nach dem Mittagessen stand Schlafen auf dem Programm. Um 18 Uhr begann dann der erste Einsatz in Berlin, der so genannte Raumschutz in der Innenstadt. Die Polizisten sollten sicherstellen, dass es nicht schon im Vorfeld des 1. Mai zu Ausschreitungen kommt. Bis auf ein in Brand gesetztes, bereits ausrangiertes Polizeiauto in Weißensee blieb es bis gestern Abend friedlich. «Der Einsatz am 1. Mai ist für uns Alltag, wir als Bereitschaftspolizisten sichern immer Großveranstaltungen», erklärt Steffen Riediger, der seit 1994 zur Magdeburger Polizei gehört. Der 22-Jährige ist das erste Mal dienstlich in Berlin. Ein bisschen Bammel habe er schon vor dem Einsatz, gibt er ehrlich zu. Doch Risiko gehöre zu seinem Beruf, und schließlich sei er auch noch nie verletzt worden.
Erst kürzlich war er mit seiner Kollegin Britta Schefter in Gorleben, um den Castor-Transport ins dortige Zwischenlager zu sichern. «Dieser Einsatz hat mich mehr beschäftigt als der bevorstehende am 1. Mai. Die politische Auseinandersetzung, die Strahlenbelastung - all das ging einem natürlich durch den Kopf», erklärt die 26-jährige Polizistin. Der Mai-Einsatz sei dagegen Routine, meint sie.
Die Führung von Berlins Innenverwaltung und Polizei ist indes nervös. Das wird auch daran deutlich, dass 9000 Beamte - so viele wie nie zuvor - Ausschreitungen verhindern sollen. Bis auf Sachsen, Hessen, Bremen und Hamburg, die ihre Beamten für die Sicherung von Demonstrationen selbst benötigen, kommen die Polizisten aus allen Bundesländern nach Berlin. Die Gewerkschaft der Polizei schätzt die Kosten, die Berlin zu tragen hat, auf etwa neun Millionen Mark.
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