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Walpurgisnacht 2001

Erlebnisberichte und Nachrichten von den Ausschreitungen in der Nacht vom 30.4. auf den 1.5.


Strassenschlacht in Berlin-Friedrichshain - Erlebnisbericht
Heute Nacht gab es eine Strassenschlacht Berlin-Friedrichshain. Ich habe es miterlebt und schreibe hier meine Beobachtungen auf.
22.00 Knapp 1000 Menschen feiern am Boxahagener Platz die Walpurgisnacht. Trommeln, Feuertanz, grosses Lagerfeuer in der Mitte. Alles ist friedlich und entspannt. Nach dem sich am späten Nachmittag die Polizei aus Prenzlauer Berg und Fridrichshain zurückgezogen hatte kehrte überall eine seltsam friedliche Stimmung (nach einer Woche Aufregung und Hetze) ein. Sogar eine Reclaim The Streets Party am Kollwitzplatz verlor sich in einem Strassenfest für Nicht-Berliner.
Die Stimmung am "Boxi" erinnerte irgendwie an Walpurgisnacht 1995 am "Kolle". Damals gab es dort traditionell das Walpurgisfeuer und die Leute aus dem (heute nicht mehr existenten) Kiez feierten. Im Jahr 1995 griff eine Polizeihundertschaft grundlos das Fest an. In die Menge, die zum Grossteil aus Normalos - teils mit Kindern - bestand wurde wahllos Tränengas und Wasser gesprüht. Panik brach aus, es wurde wahllos auf alles eingeknüppelt. Im Nachhinein gab es einen grossen Skandal und eine Untersuchungskommission, die bald in Vergessenheit geriet. (Infos dazu: Einfach Zeitungsarchive durchstöbern: Erste Maiwoche 1995 waren die Zeitungen voll damit)
Seit dem gibt es immer Konfrontation am 30.4. in Berlin. Zwei Jahre später hiess es nur noch: Es gab Krawalle von linken Autonomen im Jahr 1995, was eine Lüge ist (wir haben uns noch nie im Krieg mit Ozeanien befunden - G.Orwell).
Zurück zum Boxi 2001: Um 22.30 taucht plötzlich eine Hundertschaft in vermeintlicher Räumungsabsicht auf und nähert sich zu Fuss mit Schild, Helm und Knüppel dem Fest. Als Journalisten mit Videokameras erscheinen werden diese zunächst versucht wegzubekommen. Dann ziehen sich die Polizisten wieder zurück. (Andere Taktik, wenn die Presse da ist - Provokation)
Gegen 23.00 fahren Plötzlich zig BGS-Autos aus Bayern (mit Zivilfahrzeugen: BG 32-891 und 22er, sowie 26er Einheiten) mit Blaulicht und Sierene am Platz vorbei. Etwa hundert Leute strömen auf die Strasse und rufen dem BGS hinterher. Dieser parkt einen Block weiter in der Boxhagener Strasse. Die Stimmung kippt um. Provo-Aktion geglückt. Eine Festnahme. Jetzt bricht der Frust auf, der sich die ganze Woche über angestaut hat: Steine werden ausgebuddelt, Sachen auf die Strasse gelegt. Es bleibt noch ruhig. (Mehrere Leute erzählen die selbe Story: Zivilpolizisten, die mitmischten seien enttarnt worden.)
Etwas später taucht ein Hubschrauber über dem Platz auf, überall postieren sich Hundertschaften der Polizei (auch die 22er aus Berlin) und stellen sich je einen Block entfernt in voller Kampfmontur auf. Das bleibt nicht unbermerkt. Immer mehr strömen auf die Strasse. Der Alkohol und der Frust sorgen für den Rest und schnell ist eine Barrikade gebaut und angezündet. Flaschen fliegen durch die Luft, Touries fahren ihre Autos weg. Es ist kurz nach Mitternacht.
0.30 Uhr: Die Polizei rückt an und sperrt zunächst den Platz ab. Steine fliegen. Der Eindruck: Die Kiddies dürfen sich austoben. Schnell sind Polizisten auf dem Platz und wer nicht gegangen ist, steckt im Kessel - die friedlichen Leute. Erst einmal kehrt relative Ruhe ein. Obwohl die Polizei klar in der Unterzahl ist wartet alles bis Verstärung auftaucht. Bis auf den Kessel sind stehen jetzt die Leute ausserhalb der Polizeisperren. Wieser fliegen Steine, gegenseitige Beschimpfungen. Wasserwerfer fahren an und Löschen die brennenden Barrikaden. Pyros fliegen. Gegen 1.00 Uhr Durchsagen der Polizei. Irgendwo lungern Mitarbeiter von der News.AG herum.
1.20 Uhr am Wismarplatz steht eine Einsatzzentrale. Hunde werden "ausgepackt". Etwas später ist vom Platz Hundebellen und Geschreie zu hören. In der Yuppiemeile Simon Dach Strasse brennt eine Barrikade. Immer noch Kessel. Es erreicht mich die Nachricht, dass auch in Hamburg Strassenschlachten im Gange sind. Die Strassen westlich des Boxhagener Platzes sind mit Rauch verstopft. Schreien, Pfeifen, Lautsprecherdurchsagen... Polizei wirkt noch relativ fair.
1.30 Uhr: Ich sehe weitere Barrikaden in der Simon Dach Strasse. Ein Yuppie im BMW versucht zu entkommen. Polizei versucht einige Barrikaden zu räumen. Aus einem Fenster dröhnt HipHop von KRS One: "Sound Of Da Police".
1.40 Uhr Magdeburger Hundertschaften fahren Richtung Boxi. In der Warschauer Strasse stehen viele (wenn ich sage viele, meine ich viele) BGS und Polizeifahrzeuge. Noch eine Einsatzzentrale.
Gegen 3.00 immer noch Wasserwerfereinsatz und Leute unterwegs. Gegen 4.00 werden die letzten Leute versucht von den Gerüsten in der Umgebung zu bekommen. Zwischendurch immer wieder Gespräche mit Leuten. Auch wenn es sicher verständlich ist, dass viele Menschen Frust empfinden über die gesellschaftlichen Zustände im Allgemeinen (Überwachungsstaat, staatlicher Rassismus, Militarisierung und die 1000 Ungerechtigkeiten) und die Hetze und Verbote aus den letzten Tagen, so ist die Aktion sicher kontraproduktiv. Sicher ist es falsch die Strassenschlacht unpolitisch zu nennen. Aber viele Leute, die nicht beteiligt waren empfinden spätestens jetzt keine Sympathie mehr. Es war einfach ein Frust rauslassen. Eine "bauchige" Ablehnung des Staates.
In den Medien wird vom Frust, Zivilpolizisten und den Provokationen nichts zu hören sein. Nur die Schlacht wird Thema sein und ein "wir brauchen härtere Gesetze". Auch wenn es schwer ist, sollten wir uns überlegen, ob es nicht langsam Zeit wird zu versuchen unseren Widerstand zu vermitteln.
Ach ja: Unfair auch, dass wieder einmal Leute in Gefahr gebracht wurden, die einfach nur feiern wollten. Auch Militanz kann überlegt eingestzt werden.
Quelle: indymedia.de 1.5.2001 - 05:23 Uhr


Erste Riotz in Berlin
Gegen Mitternacht kam es rund um den Boxhagener Platz in Berlin/Friedrichshain zu ersten Auschreitungen.
Seit den frühen Abendstunden haben rund 6-800 Personen am Boxhagener Platz in Berlin/Friedrichshain die Walpurgisnacht gefeiert. Immer wieder provozierten die Ordnungshüter mit ständigen Vorbeifahren im Konvoi am Platze. Gegen 23.00 Uhr versammelten sich einige Hundertschaften BGS und sonstige Bullen in den umliegenden Seitenstrasse. Gegen Mitternacht ist dann die Sache eskaliert. Rund 150 Vermummte errichteten an der Grünberger Strasse einige Barrikaden und zündeten sie an. Ankommende Polizisten wurden massiv mit Flaschen und Steinen beworfen und mit Pyros beschossen. Nach etwa zehn Minuten hatten die Bullen, den Platz so einigermassen wieder unter Kontrolle. Massive Bulleneinheiten stürmten den Boxhagener Platz und kesselten die Personen darin vorübergehend ein. Daraufhin fuhren mehere Räumpanzer und Wasserwerfer auf, Wasserwerfer wurden eingesetzt, u.a. das löschen des Lagerfeuers. Später wurde der Kessel wiederaufgelöst. Danach kam es immer wieder zu Katz-und Maus Spielen mit der Polizei.
Quelle: indymedia.de 1.5.2001 - 04:17 Uhr


Nächtliche Straßenschlacht in Friedrichshain
Was ein Walpurgisnachtfest werden sollte, endete nach mehren Polizeiprovokationen in einer Strassenschlacht.
In der Nacht zum 1.Mai kam es nach Augenzeugenberichten am Boxhagener Platz in Friedrichshain zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Während mehr als Tausend Menschen auf dem Platz feierten und ein Feuer entzündeten, marschierten mehrmals Polizeieinheiten truppenförmig auf. Unter die Feiernden mischten sich Zivilbeamte, die erkannt und von Festteilnehmern des Platzes verwiesen wurden. Nach der Festnahme eines Betrunkenen bauten mehrere hundert Menschen aus Protest Barrikaden auf und zündeten diese an. Die Polizei versuchte den Platz abzuriegeln und einen Kessel zu bilden. Nach unseren Informationen hat sich die Lage bis 2 Uhr beruhigt, weitere Festnahmen sind uns nicht bekannt.
Quelle: www.antifa.de - 1.5.2001


Rund 40 Festnahmen bei Randale in Mai-Nacht in Berlin - Ausschreitungen in Friedrichshain und Prenzlauer Berg
Berlin, 1. Mai (AFP) - In der Nacht zum 1. Mai ist es in Berlin zu Krawallen gekommen. Insgesamt 40 Menschen wurden festgenommen, wie eine Polizeisprecherin am Morgen mitteilte. Mehrere Polizisten wurden verletzt. Angaben zu möglichen Verletzten auf Seiten der Demonstranten lagen zunächst nicht vor. Im Stadtteil Friedrichshain hatten sich nach Angaben der Polizei rund 500 Menschen versammelt, die «zu einem großen Teil aggressiv gestimmt» gewesen seien. Demonstranten errichteten am Boxhagener Platz Barrikaden auf der Straße und bewarfen Polizisten mit Flaschen und Steinen. Die Polizei ging mit Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor.
Quelle: BerlinOnline 1.5.2001 - 09:55 Uhr


Mehrere Festnahmen bei Ausschreitungen in Berlin
Berlin (AFP) - Im Berliner Bezirk Friedrichshain ist es in der Nacht zu Dienstag zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten mutmaßlich linksgerichteter Gruppierungen gekommen. Am Boxhagener Platz hätten Angetrunkene Straßenbarrikaden errichtet und diese in Brand gesteckt, sagte ein Polizeisprecher. Bei anschließenden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten seien einige Beamte verletzt worden. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Am Boxhagener Platz hatten zuvor rund 500 Menschen friedlich in den Mai gefeiert.
Quelle: BerlinOnline 1.5.2001 - 02:29 Uhr


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