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Quelle: indymedia.de 2.5.2001 - 20:51 Uhr
1. Mai Berlin: 7 Stunden und x im Polizeikessel
Erlebnisse aus einem der Polizeikessel am Mariannenplatz
Der Mariannenplatz wurde gegen ca. 19.30 Uhr von mobilen Einsatztrupps der Polizei, u.a. 23. Einsatzhunderschaft, geräumt. Ein grosser Teil der Menschenmasse, die vor allem aus BesucherInnen des Festes am Mariannenplatz bestand, wurde Richtung St. Thomas Kirche gedrängt und zusammen mit denjenigen, die sich bereits zuvor an der Kirche vor der heranstürmenden Bullerei in Sicherheit gebracht hatten, direkt hinter der Kirche eingekesselt. In dem Kessel befanden sich also ab ca. 19.40 Uhr ungeführ 150 Menschen, bunt zusammengewürfelt, also auch Kiddies unter 16 Jahren oder 50-60 jährige. Die Polizei verhielt sich bei der Einkesselung relativ zivil, so dass es nur zu dem üblichen Geschubse und Gebrüll von einigen besonders durchgeknallten Bullen kam.
Obwohl ungefähr eine Stunde später vielleicht 25 Menschen nach Durchsuchung aus dem Kessel raus konnten, wurde dann für alle anderen dicht gemacht. Dies galt auch für einen Menschen, der auf dem Weg zu seiner Arbeit war (mit Berufskleidung) oder für Menschen mit Presseausweis, die erst nach langem Diskutieren mit verschiedenen Einsatzleitern wieder aus dem Kessel konnten.
Bis ca. 23.50 Uhr war den eingekesselten Menschen überhaupt nicht klar, was jetzt weiter mit ihnen passieren soll. Der Grund, warum sie eingekesselt wurden, wurde während der gesamten Einkesselung generell nicht genannt. Das ständige Nachfragen bei den umstehenden Bullen ergab nur, dass aus dieser Menge Straftaten begangen wurden und die Täter identifiziert werden müssten. Ausserdem hätten sie eigentlich selber keinen Plan und würden wegen des weiteren Vorgehens selbst alle 15 Minuten bei irgendwelchen Führungskräften nachfragen (wer weiss ob's stimmt).
Devise war: einfach mal stehen bleiben. Dass es mittlerweile schon scheisse kalt war und ein grosser Teil der Menschen kurze Hosen/Röcke/T-Shirts oder nur dünne Pullis anhatte, war dabei der Bullerei ziemlich egal. Decken oder Jacken gab's nur sehr wenige. Trotzdem war die Stimmung im Kessel zu der Zeit noch relativ okay: es wurde Frisbee gespielt, Polonaise getanzt, Fahrrad im Kreis gefahren (Menschen auf dem Nachhauseweg vom Mariannenfest hatten natürlich auch Fahrräder dabei) oder sonst irgendwelche Spielchen gemacht. Eben das Beste daraus machen.
Irgendwann kurz vor Mitternacht kam dann die Durchsage, dass jetzt Personalien festgestellt werden und dann die Menschen in die Gefangenensammelstelle (Gesa) gefahren würden. Wer glaubte, jetzt endlich aus der arschigen Kälte zukommen, hatte sich getäuscht. Die nächsten zwei Stunden kamen zwar doch einige (z.T. bereits ausrangierte, uralte) Gefangenentransporter vorbei (die dann auch Decken für die Menschen in T-Shirts und kurzen Hosen brachten), aber weil die Personalien vor Ort aufgenommen wurden, ging es super langsam, so dass die andere Hälfte, die um 2.00 Uhr immer noch im Kessel sass, super froh war, als ein Kleinbus der Heilsarmee in den Kessel durfte, um warme Getränke und Essen zu bringen.
Wie lange die "Verladung der Gefangenen" nach 2.45 Uhr noch gedauert hat, weiss ich nicht. Ob es rechtlich abgesichert ist, Menschen sieben Stunden lang ohne ausreichende Bekleidung oder warme Getränke in der Kälte stehen zu lassen, weiss ich auch nicht, wahrscheinlich muss man sich das Gefallen lassen, wenn man zur "polizeilichen Massnahme" erklärt wird.
Welchen Sinn es macht, einfach irgendwelche Menschen auf einem Strassenfest zusammenzutreiben um sie dann zu verhaften, war ja heute in der Presse zu lesen: Werthebach verwies ja ganz stolz auf den gesunkenen Sachschaden und die gestiegen Zahl der Festgenommenen: super klasse, wenn bei einem Polizeikessel, wo alle 150 Menschen verhaftet werden, vielleicht auch zwei oder drei dabei sind, die irgendwas gemacht haben. Effektive Strategie.
Quelle: indymedia.de 2.5.2001 - 23:36 Uhr
In the Kessel
Wir sind mit dem letzten Transporter nach 7 Stunden um ziemlich genau 3 Uhr vom Mariannenplatz Richtung Tempelhof gefahren worden. Dort standen wir ein halbes Stündchen rum und lauschten dem Polizeifunk und dem inkompetenten Beamtengelaber, was nun mit uns passieren sollte. Nach einigem Hin und Her kam per Funk die Durchsage, dass alle, die noch in den Karren sitzen, rausgelassen werden sollen. So um 4 standen wir alle recht durchgefroren am S-Bhf. Tempelhof. In der Bullendiskussion war rausgekommen, dass sie für eine Festnahme keine Rechtsgrundlage mehr hatten und für Gewahrsamnahme weder Plätze noch Gründe hatten. Keine Personalienfeststellung, keine ED-Behandlung, "nur" 7 Stunden in der Kälte. Vielen herzlichen Dank an all die lieben Leute, die uns auch um halb 2 noch im Kessel mit heissem Tee, Brot und Pullis versorgt haben. Kreuzberg braucht keine Bullen. Von anderen hab ich gehört, dass sie noch vor um 10 abtransportiert und in Tempelhof verarbeitet wurden und dann in eine GeSa beim Wannsee kommen sollten, was wohl daran scheiterte, dass der Fahrer keinen Bock mehr hatte. Wiederum andere wurden 5 Minuten vor uns weggefahren und auf 'ne Kreuzberger (oder Friedrichshainer) Wache gebracht, wo sie in einer 12qm-Zelle mit 13 Mann noch 2 Stunden verbringen durften. Sie wurden fotografiert und von den Bullen verarscht. Das wars dann erstmal.
Quelle: indymedia.de 3.5.2001 - 12:09 Uhr
1. Mai Berlin Kessel an der Thomaskirche
Pressefreiheit und Anwohnerinnenrechte wurden mit Füssen getreten. Ein Bericht aus dem Kessel am Mariannenplatz.
Ca. 130 Menschen befanden sich ab ca. 19.30 Uhr in dem grösseren der beiden Kessel vor der Thomaskirche neben dem Mariannenplatz, nachdem dieser geräumt wurde. Unter den Eingekesselten befanden sich auch PressevertreterInnen, AnwohnerInnen, und Menschen die auf dem Familienfest am Mariannenplatz gewesen sind und sich vor den heranstürmenden Bullen in Sicherheit bringen wollten, darunter auch einige Kinder. Eine Stunde später wurden etwa 30 Menschen aus den Kessel nach gründlicher Durchsuchung aus dem Kessel herausgelassen und aufgefordert sich unverzüglich zu entfernen. Für den Rest war es jedoch bis ca. 24.00 Uhr unklar wie es mit ihnen weitergehen sollte.
Unter den Eingekesselten waren auch einige AnwohnerInnen, denen es trotz langer Diskussion mit den Bullen und vorzeigen des Ausweises nicht gelang den Kessel zu verlassen. Auch sie wurden nachher verhaftet und eingefahren.
PressevertreterInnen wurden mehrere Stunden festgehalten und nur einige von ihnen nach endlosen Diskussionen mit der Einsatzleitung herausgelassen. Auf dem Strassenboden lagen herausgezogene Filmrollen die gezielt abgenommen wurden, fast jegliche Bestandsaufnahme innerhalb des Kessels wurde somit willkürlich verhindert.
Die Eingekesselten blieben fast während der ganzen Zeit ohne Informationen. Die Devise der Einsatzleitung an die ausführenden Bullen musste wohl gewesen sein nicht mit den DemonstrantInnen zu sprechen. Mit dem Einsetzen der Dunkelheit begannen die Gefangenen zu frieren und auch einige Decken , die hereingeworfen wurden konnten keinen ausreichenden Schutz vor der Kälte bieten. Während der gesamten Dauer des Kessels gab es ausser wenigen Keksen und Tee, der jedoch längst nicht für alle reichte, nichts zu essen oder zu trinken. So kam für einige nach der Ungewissheit Hunger, Durst und Kälte hinzu und liess einen Demonstranten fast durchdrehen.
Kurz nach Mitternacht kam die Durchsage, dass von allen die Personalien aufgenommen und die Gefangenen abtransportiert werden sollten. Gegen 2.00 Uhr nachts war dann der halbe Kessel in gewahrsam genommen worden und einige Leute wurden von übermüdeten Bullen in die Hallen des tempelhofer Flughafens gebracht, wo eine provisorische Gesa eingerichtet worden war.
Allgemeine Ratlosigkeit auch bei den bearbeitenden BeamtInnen welche die Personalienfeststellung machten. Nach einer schon 44 Stunden andauernden Schicht stürmten sie unwirsch in die Wannen und schrieen die Verhafteten im Kasernenton an um möglichst schnell den Papierkram hinter sich zu bringen. Da aber weder die für den Transport zuständigen Einheiten, noch die SachbearbeiterInnen wussten, was der Grund der Festnahme war und ob es sich um Festnahmen, Gewahrsamnahmen, Sicherheitsgewahrsam oder sonstiges handelte wurde die ganze Prozedur noch weiter verzögert. Die Verantwortung wurde von einer Beamtin/ einem Beamten auf die andere/ den anderen, von einer Einheit zur nächsten abgeschoben und es ist demnach sicher nicht verwunderlich wenn grobe "Fehler" in den Personalienbögen auftauchen, zum Nachteil für alle Verhafteten.
Nachdem dann einige der Verhafteten wegen Überfüllung der provisorischen Gefangenenunterkünfte am Flughafen Tempelhof von den Bullen in Berlin ausgesetzt wurden, mussten die Transporteinheiten, nach Angaben eines Beamten, ihre bis dahin 24 stündige Schicht fortsetzen.
Kesselkind
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