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Quelle: Berliner Zeitung - 4.5.2001
Ein Weg in die falsche Richtung
Peter Brock
Familienfest mit anschließendem Straßenkampf. So hätte es nicht enden dürfen. Da waren sich Fest-Veranstalter und Polizei-Verantwortliche einig. Letztere schrieben dies sogar in ihre Dienstanweisungen für den 1. Mai: "Unter allen Umständen ist eine Konfrontation auf dem Mariannenplatz zu vermeiden." Aber es kam anders: Mütter rannten mit schreienden Kindern um ihr Leben, Steine prasselten vom Himmel. Alles lief schief.
Dabei hatte die Polizei-Führung alles gut geplant: Störer sollten zum Oranienplatz getrieben, dort eingekesselt und festgenommen werden. Bundesgrenzschützer standen bereit, um Fluchtwege abzuriegeln und die Falle zuschnappen zu lassen.
Die meisten Beamten wussten von diesem Plan nichts. Das ist üblich. Der kleine Uniformierte hat nur Befehle auszuführen. Dummerweise aber wusste auch einer nichts von dem Plan, der selbst Befehle zu geben hat. Diesem Einsatzführer hatte man nur gesagt: "Ansammlungen auflösen." Das tat er an der Ecke Oranien-/Adalbertstraße. Über Lautsprecher forderte er mehrfach dazu auf, die Kreuzung zu räumen. Dumm nur, dass der Einsatzführer verlangte, die Kreuzung in Richtung Mariannenplatz zu verlassen. Das war die falsche Richtung. Dieser Weg führte nicht in die Falle der Grenzschützer, sondern direkt zum Familienfest.
Der Polizei nun vorzuwerfen, sie habe die Krawalle verursacht, ist Unsinn. Steine wären auf jeden Fall geflogen, egal was die Beamten getan hätten. Aber die Straßenschlacht hätte nicht auf einer Festwiese beginnen dürfen. Diesen Vorwurf müssen sich Polizei, Polizeipräsident und Innensenator gefallen lassen. Es wäre ihre Pflicht gewesen, das friedliche Fest zu schützen. Dass die Polizei dazu in der Lage ist, hat sie in Hohenschönhausen bewiesen, wo sie eine NPD-Demo zu schützen hatte.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn auf dem Mariannenplatz ein Kind von einem Stein oder Wasserwerfer-Strahl am Kopf getroffen worden wäre. Aber auch ohne solch ein Unglück ist der Schaden immens - fürs Ansehen von Polizei und Politik. Denn was bleiben wird in Kreuzberg, in einem Bezirk, in dem die Polizei sowieso nicht gerade das volle Vertrauen aller genießt, ist die Erinnerung, dass die Polizei ein Familienfest gestürmt hat.
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