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Quelle: Berliner Zeitung - 4.5.2001
Umstellt bis nachts um zwei
Andreas Kopietzl
Etwa 350 Menschen sind am Abend des 1. Mai auf dem Mariannenplatz von der Polizei eingekesselt worden. Beamte bildeten zwei Kreise um die Versammelten. Ein Teil der Eingekesselten durfte den Platz erst um 2 Uhr in der Früh verlassen. Vorher wurden sie fotografiert und ihre Personalien aufgenommen.
Der 23-jährige Stefan Heumann war einer von ihnen. "Ich hatte nur ein T-Shirt an und fror. Bis 22 Uhr wurde uns nicht gesagt, warum wir hier stehen müssen. Erst um 24 Uhr wurden wir abtransportiert nach Tempelhof. Wir wurden bis 6.30 Uhr in einem Gefangenentransporter festgehalten." Markus Reuter sagt: "Ich suchte meine Freunde auf dem Platz. Um 22.30 Uhr sagte jemand per Lautsprecher: 'Sie erfüllen den Tatbestand des Landfriedensbruchs.' Ich wurde zu einem Bus geführt. Dann legten mir zwei Beamte Handschellen an. Bis 4.45 Uhr saß ich in der Wanne. Erst um zwei Uhr haben wir etwas zu trinken bekommen." Michael K. aus Tiergarten wurde von 19.40 Uhr bis 5.30 Uhr festgehalten. Er berichtet, dass Polizisten aus Mecklenburg-Vorpommern Kekse in die Menge der Festgenommenen warfen - mit den Worten: "Hier hab’ ich was für euch." Erniedrigend war nach seinen Worten, dass die Polizei es nicht zuließ, eine Toilette zu benutzen. "Die Leute mussten ihre Notdurft auf dem Platz verrichten."
Zu den Eingekesselten gehörte auch der 29-jährige Philosophiestudent Matthias Ott. "Es waren noch viele friedliche Besucher des Straßenfestes auf dem Mariannenplatz", sagt Ott. Er selbst habe auch keine Straftaten begangen. Trotzdem habe er den Kessel nicht verlassen dürfen. "Da waren Anwohner mit Fahrrädern, die einfach nur nach Hause wollten." Die Polizei verteilte schließlich Decken gegen die Kälte.
Landesschutzpolizeidirektor Gernot Piestert verteidigte die Strategie der Polizei: Die friedlichen Besucher auf dem Mariannenplatz hätten genug Zeit gehabt, den Platz nach dem Beginn der Krawalle zu verlassen. Die Polizei habe mit der Einkesselung erst gegen 20 Uhr begonnen, zwei Stunden nachdem die ersten Steine flogen. Wer da noch auf dem Platz gewesen sei, der sei für die Beamten wenn nicht Straftäter, dann doch möglicher Störer gewesen. Piestert verwies darauf, dass es für die Polizei schwierig war, in einer solchen Situation die Gewalttäter von den Festbesuchern zu unterscheiden. "Die Gewalttäter haben ja die Deckung des Familienfestes gesucht", sagte Piestert. Im Zweifelsfall entscheide ein Richter, ob die Beweise für eine Verurteilung ausreichten.
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