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1. Mai 2002 Sonderseite
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Text: Kommunistische und Autonome Gruppen Quelle: indymedia - 14.2.2002
Es gibt keine Alternative zur Revolution
Diskussionspapier zum Revolutionären 1. Mai. Wir fordern alle Gruppen und Menschen dazu auf, die von der neoliberalen Globalisierung betroffen sind, darüber zu diskutieren, wie jetzt am 1. Mai 2002 der Widerstand IM STADTTEIL und AUF DER STRAßE selbstorganisiert von unten gestaltet werden soll... jenseints von Befriedungs- oder Staatsprojekten!
Das war die Losung aller beteiligten Gruppen zur Vorbereitung der ersten Revolutionären Maidemonstration in Berlin-Kreuzberg 1988 bezugnehmend auf den Aufstand am 1. Mai 1987 in Berlin-Kreuzberg. Es ist einer der wenigen traditionellen Tage, die die außerparlamentarische autonome Linke im Verlauf ihrer langjährigen Aktivitäten aufrecht erhalten konnte. Nun jährt sich zum 15. mal für uns der Revolutionäre 1. Mai und regelmäßig bereitet der 1. Mai in Berlin schon Monate zuvor den Herrschenden Kopfzerbrechen. Für die neugebildete rot-rote Regierung war er gar Thema in den Koalitionsverhandlungen.
Vom AHA-Konzept...
Seine Brisanz erhält der 1. Mai nach wie vor dadurch, daß es trotz aller staatlich verordneten Befriedungsstrategien nicht gelungen ist, die autonome Linke, die am Anspruch zur revolutionären Veränderung festhält, von der Bevölkerung in Kreuzberg zu isolieren. Auch die mit großem finanziellen Aufwand staatlich initiierten Bürgerfeste (z.B. AHA-Konzept), die mit ihren Hüpfburgen und Streetball-Events ein "Alternative" zum Revolutionären 1. Mai darstellen sollten, brachten nach eigener Einschätzung der Initiatoren (Innensenat und Sponsoren wie TVB und SAT1) nicht den gewünschten Effekt, die sog. marginalisierten Jugendlichen und BewohnerInnen von der Teilnahme an der Revolutionären 1. Mai Demo abzuhalten. Auch wochenlange Versuche ausgebildeter Polizeipsychologen an den Schulen mittels Hearings und peppig aufgemachten Flugblättern blieben hilflos. Die Deklassierung und Perspektivlosigkeit eines Großteils der Kiez-Bevölkerung zwingt die Menschen, angesichts der sozialen Ausgrenzung vom gesellschaftlichen Leben, den alltäglichen Überlebenskampf selbst zu organisieren. Gerade am 1. Mai in Kreuzberg wurde die Vereinzelung der Menschen immer wieder aufgebrochen und das Gefühl gemeinsamen Widerstand gegen die herrschenden Zustände leisten zu können brach sich Bahn.
...zum Verbot...
Das erstmalige Verbot der Revolutionären 1. Mai Demonstration im letzten Jahr seitens der CDU-SPD-Regierung und auch der Wille, dieses militärisch-polizeistaatlich durchzusetzen wurde für den Senat zum Fiasko. Die Bevölkerung war trotz des Verbotes und der massiven polizeistaatlichen Einschüchterung dem Aufruf der radikalen Linken gefolgt im Stadtteil präsent zu sein und der Besetzung durch die Polizei - und dem nach 15 Uhr verordneten Ausnahmezustandes - Widerstand entgegenzusetzen. Unter anderem das Motto, "Kampf dem kapitalistischen Terror!" und "Die Bankrotteure müssen selber zahlen!" hat bei vielen Anklang gefunden.
Nach wie vor fühlen sich viele vom DGB nicht vertreten, da dieser in sozialpartnerschaftlicher Manier das kapitalistische System mitreformiert und für ein Bonbon vom Staat und den Unternehmern dafür sorgt, daß jeglicher Widerstand von unten in den Betrieben in geordnete Bahnen lenkt und damit wirkungslos macht. Nicht eine der zahlreich erfolgten Betriebsschließungen im letzten Jahr wurde, trotz der Bereitschaft von Belegschaften sich dagegen wehren zu wollen, verhindert. Kurzzeitig erfolgte Werksbesetzungen verliefen durch die fehlende Unterstützung der DGB-Führung im Sand.
Allerdings begriff so manche/r GewerkschaftsfunktionärIn, sicherlich beflügelt durch den Skandal, daß ein Nazi-Aufmarsch in Berlin-Hohenschönhausen mit Unterstützung der Polizeiführung durchgesetzt wurde, während der 1. Mai in Kreuzberg verboten blieb, die historische Parallele zu '33 und erklärten - trotzdem sie bisher dem Revolutionären 1. Mai gleichgültig gegenüberstanden, erstmalig auf der DGB-Kundgebung ihre Solidarität gegen den Angriff auf den Revolutionären 1. Mai. Daher riefen sie auch dazu auf, die Menschen in Kreuzberg nicht alleine zu lassen.
Die offensichtliche Infragestellung des staatlichen Gewaltmonopols durch große Teile der Bevölkerung - ob jung oder alt - hat nicht nur die polizeistaatlichen Hardliner erschreckt. Auch zahlreiche PolitikerInnen aller Parteien, und, wie immer nach sozialem Aufruhr, die sie beratenden Politik- und Soziologieprofessoren, sind verunsichert.
Die gesamtwirtschaftliche soziale Situation hat sich aber insbesondere in Kreuzberg nicht grundlegend verbessert, ganz im Gegenteil, die 2/3-Gesellschaft hat sich hier vollends durchgesetzt, und die Armut hat sich sichtbar ausgebreitet. Daran ändern auch grüne oder rote BezirksbürgermeisterInnen nichts, solange sie nicht einer tatsächlichen Veränderung Rechnung tragen sondern es ihnen nur um den Erhalt der eigenen Pöstchen und den weiteren Aufstieg zu einem abgesicherten Mittelstand geht.
...und wieder zurück zum Befriedungsprojekt!
Nun hat sich nach dem letztjährigen 1. Mai ausgehend von dem Politikprofessor Grottian wieder einmal ein alternatives Personenbündnis zusammengetan, von Uni-Professoren über Grünenpolitiker bis zum GSW-Vorstand, um eine sogenanntes Reformkonzept öffentlichkeitswirksam vorzustellen und sich mit einem vermeintlichen Befriedungsprojekt beim rot-roten Senat anzubiedern. Schon vor dem 1. Mai 1988, als sich ein ähnliches Projekt aus Stadtplanern und Befriedungsstrategen zusammentat, von denen heute die InitiatorInnen im Bundestag sitzen und Kriege vorbereiten, kommentierten dies Autonome aus K36 wie folgt: "Die Veranstaltungsreihe dient dazu, vor dem 1. Mai 1988 lautstark und öffentlichkeitswirksam die eigene Abscheu vor der revolutionären Gewalt zu demonstrieren. Zum anderen soll der Versuch gemacht werden 'neue Auswege aus der Krise' anzubieten. Denn die Reformisten brauchen dringend vorweisbare Ergebnisse ihres segensreiches Wirkens für Staat und Kapital, sonst wird ihnen selbst der Geldhahn abgedreht und sie werden durch effektivere Institutionen abgelöst. Den Reformisten ist revolutionäre Gewalt nur solange Recht, wie sie ihnen als Alibi dient, sich als Problemlöser und stabilisierender Faktor anbiedern und nötig machen zu können." (Interim Nr.02, 1988)
Es wundert uns daher nicht, daß die Initiative unter Anleitung von Grottian aus dem OSI (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der FU) bestimmt wird, droht doch die bevorstehenden Umstrukturierung der FU nach rein marktwirtschaftlichen Kriterien in eine mögliche Stiftungsuniversität.
Dadurch wäre dann auch der gesamte OSI-Bereich von der Abwicklung betroffen. Wer in Grottians Seminaren schon einmal gewesen ist, weiß, daß er nicht müde wird zu betonen, welche Karriereaussichten von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen des OSIs im "zuarbeitenden Bereich" von Senatsprojekten winken. Und gerade im Zuge der sozialen Kürzungen entstehen unter rot-grün und rot-rot zahlreiche Projekte, in denen ein sog. "soziales Konfliktmanagement" unbedingt benötigt wird, und so wissenschaftliche BeraterInnen aus dem OSI unverzichtbar sind, um Befriedungsprojekte in sog. "sozialen Brennpunkten" durchführen zu können.
Da die InitiatorInnen dieser Projekte im Gegensatz zu selbstorganisierten sozialen und politischen Initiativen weder im Kiez leben, noch dort arbeiten, beschränkt sich ihre Tätigkeit vor Ort rein auf einen wissenschaftlichen Blickwinkel (Interviews mit der einheimischen Bevölkerung, Besuchen von BewohnerInnen-Initiativen, Sponsoren suchen und Werbeveranstaltungen, etc.).
Wir bezweifeln, daß solch ein Personenbündnis, das keinen reellen sozialen Bezug zur Stadtteilbevölkerung mit ihren Problemen der Massenarbeitslosigkeit, sozialen Ungleichheit und Diskriminierung hat, sich politisch zu verankern vermag, dafür spricht umso mehr, daß in dem Gründungsaufruf dieses Bündnisses jegliche soziale und politische Forderungen an die Herrschenden keine Erwähnung finden.
Was wir jedoch nicht bezweifeln, ist, daß Teile des Senats wie auch die Gewerkschaft der Polizei als auch Präventionsräte des Innensenats es begrüßen als auch Förderung in Aussicht stellen, wenn ein solches Projekt es vermag soziale Aufstände zu unterdrücken, angesichts der angekündigten sozialen Kürzungsmaßnahmen in allen Bereichen, einschließlich der 10-prozentigen Kürzung der Sozialhilfe. So steht auch im Gründungsaufruf: "Wir hoffen, daß der rot-rote Senat die Prüfung eines solchen Projekts im Koalitionsvertrag verankert."
Dies ist schon geschehen, und in Folge dessen kam es auch schon zu diversen Gesprächen mit dem Polizeipräsidenten, Innensenat, usw.
Jene Anwälte, die uns bislang als engagierte Rechtsanwälte bekannt sind, und sich jetzt durch ihre Parteifunktion in ein solches Projekt einbinden lassen, wären besser beraten, sich schon jetzt damit auseinander zu setzen, wie es juristisch zu verhindern ist, wenn wieder vom Verfassungsschmutz angeheuerte NPD-Funktionäre Gegendemonstrationen zum Revolutionären 1. Mai in Berlin anmelden. Auch dem Projekt eventuell zur Verfügung gestellte Fördergelder wären besser dazu geeignet, Sammelklagen gegen den Verfassungsschutz anzustrengen, damit die Angehörigen von den über 100 getöteten AsylbewerberInnen durch VS-gesteuerte Schlägerbanden endlich Entschädigung erhalten.
Verwundert dürften sicherlich viele Linke sein über die Mitarbeit der AAB in dem Personenbündnis, welches von sich behauptet, eine "Repolitisierung des 1. Mai" anzustreben. War es doch gerade die AAB, die in den vergangenen Jahre versuchte, das Pop-Event-Konzept mittels Dezibel-Wettbewerb und Sattelschlepper hoffähig zu machen und in ihrem Mai-Aufruf 2000 noch schrieb: "Der Revolutionäre 1. Mai ist das ideale Ereignis für eine solche Kritik, die keinen bestimmten Anlass braucht..."
Von Porto Alegre nach Berlin...
Ebenfalls die Berliner Ortsgruppe ATTAC, die bislang am 1. Mai nie in Erscheinung getreten ist, mischt jetzt mit in dem Projekt "Alternativer 1. Mai/Kreuzberg 2002" des Personenbündnisses. Bundesweit formiert sie sich als parteiähnlicher Zusammenschluß, um den gerechten weltweiten Kampf gegen die neoliberale Globalisierung vereinnahmen zu können und den Menschen neue Hoffnung auf einen "alternativen" Parlamentarismus vorzugaukeln, ohne etwas grundlegend an der kapitalistischen Ausbeutung ändern zu wollen.
Hier, kaum aus Porto Alegre zurück, mißachten sie die Beschlüsse des Weltsozialforums. Denn dort heißt es schon unter Punkt 1.) "Wir sind hier aus Verachtung über die Versuche, unsere Bewegung spalten zu wollen. Wir treffen uns deshalb erneut, um die Kämpfe gegen Neoliberalismus und Krieg fortzusetzen."
So heißt es dann auch nicht im neuen Koalitionsvertrag der SPD-PDS-Regierung, daß die Verursacher, die Bankrotteure - die die Milliarden aus der landeseigenen Bankgesellschaft veruntreut haben, und große Geldvermögen ins Ausland verschoben haben - strafrechtlich verfolgt werden und auch sollen sie nicht enteignet werden. Daher soll die Berliner Bevölkerung dafür aufkommen und noch mehr sozialen Kahlschlag hinnehmen. Es sollte deswegen eigentlich selbstverständlich sein, daß eine Gruppe wie ATTAC, die vorgibt, diese neoliberale Politik überwinden zu wollen, die Forderungen, wie sie in Porto Alegre beschlossen wurden, hier am 1. Mai politisch auf die Straße trägt. Im Dokument von Porto Alegre wird ausdrücklich betont: "Das neoliberale ökonomische Modell zerstört die Recht und die Lebensbedingungen der Völker. Da ihnen jedes Mittel recht ist, ihre Dividenden zu verteidigen, greifen die Konzerne zu Kündigungen, kürzen die Gehälter, schließen ihre Fabriken und pressen die Arbeiter dabei bis zum letzten aus. Die Regierungen antworten angesichts dieser ökonomischen Krise mit Privatisierungen, mit Kürzungen im Sozialhaushalt..." Und weiter heißt es unter Punkt 11.): "Die globale Bewegung für soziale Gerechtigkeit und Solidarität steht gewaltigen Herausforderungen gegenüber. Ihr Kampf für Frieden und soziale Gerechtigkeit verlang die Auseinandersetzung mit der Armut, [...] und das Recht auf kollektiven Widerstand."
Auch die Grünen verlangten noch, als sie in der Opposition waren, nach Aufdeckung des größten Finanzskandals die vollständige Zerschlagung der Bankgesellschaft. Deren Manager der zahlreichen verzweigten Immobilienfonds und Eigentümer hunderter von Grundstücken kommen zusammengerechnet schnell auf ein Vermögen von 5 Milliarden. Da aber eine privatrechtliche Haftung und Enteignung für Grüne, als auch für die jetztige Koalition ein Angriff auf angeblich private Eigentumsverhältnisse bedeutet, wollen sie davon jetzt auch nichts mehr wissen, einfacher erscheint es ihnen daher, der Bevölkerung weiß machen zu müssen, alle säßen im selben Boot, und die von den Kapitalisten verursachten Lasten, müßten jetzt von allen gemeinsam getragen werden. Diese Arroganz der Macht, die allen Regierenden zu eigen ist, ist eine Demütigung und ein Angriff auf die Zehntausende von BerlinerInnen, die seit Jahren, ob mit oder ohne Kinder verzweifeln, wenn etwaige Nachzahlungen von Strom und Heizölkosten ins Haus flattern.
Die einzigen, die jetzt erneut von den sozialen Kürzungsmaßnahmen profitieren würden, wären erneut die Fondsanteileigner der nach wie vor aufgelegten Immobilienfonds unter dem Dach der Bankgesellschaften.
Angesichts dieser dreisten Schweinereien kann es uns nicht darum gehen, die sich ausbreitende Unzufriedenheit, auch über den neuen Senat, zu ihren Gunsten zu kanalisieren, sondern die Notwendigkeit zu vermitteln, sich für die eigenen Interessen einzusetzen und zu organisieren und weder den Bonzen noch den (zukünftigen) Politikern es zu überlassen, für uns zu reden. Daher müssen wir auch genau schauen, welche Bündnisse wir mittragen oder tolerieren können, aber klar ist vielen von uns, daß wir keine Bündnisse mit denen wollen, die uns auffordern unsere sozialen Kämpfe zu beenden und uns dafür Happenings, Karnevals und ähnliches feilbieten wollen.
Erster Mai - bullenfrei!
Wir sollten eher dafür sorgen, daß der bullenfreie politische Raum in Kreuzberg offensiv dazu genutzt wird, sich konkret damit auseinander zu setzen, wie jetzt der Widerstand von unten, gegen den bevorstehenden sozialen Kahlschlag umgesetzt werden kann.
Denn eine linksradikale Gruppe, die auf revolutionäre Inhalte verzichtet, und in deren Aufrufe Worte wie "Widerstand" nicht mehr vorkommen, wird zum Spielball der konfliklöslerischen/friedensbewegten Zivilgesellschaft. Reformismus hat die Linke noch nie irgendwo stark gemacht. Nur das Handeln von Linksradikalen als antagonistische Kraft kann revolutionäre Erhebungen befördern, den Staat überhaupt erst zu Zugeständnissen zu zwingen.
Der Bruch mit kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen ist unabdingbar, um freie umfassende Bildung für alle, selbstbestimmte Arbeitsprozesse der sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und sich nicht an der Profit- und Verwertungslogik des Kapitals ausrichtet, überhaupt durchsetzen zu können.
Verstärkt durch die Hauptstadtfunktion und der seitdem von hier ausgehenden Kriegsbeteiligung und dem Militarismus der rot-grünen Regierung hat der 1. Mai auch für uns eine teils neue Bestimmung erfahren. Der konsequente Zusammenhang der unter rot-grün ins Unermessliche steigenden Militärausgaben bei gleichzeitiger Verschärfung ständiger neuausgedachter Zwangsmaßnahmen durch Arbeitsamt- und Sozialverwaltung um Arbeitslose in rechtslose Arbeitsverträge und Niedriglohnbereiche zu pressen hat auch vielen hier in den betroffenen Stadtteilen wie Kreuzberg die Augen geöffnet.
Die von rot-grün beschlossene Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe (nach den Bundestagswahlen) ist auch jetzt schon im Wahlprogramm von CDU-CSU festgeschrieben. Das wird in Berlin aber gerade für Kreuzberg mit 50%iger Arbeitslosenquote eine neue Dimension der Ausgrenzung und Armutsverwaltung mit sich bringen. So wird auch der Krieg und die Bundeswehr zu einem JUMP-Programm für Arbeitslose, was sich an der Tatsache ablesen läßt, daß Anfang Januar von 1.900 zum Wehrdienst einberufenen Jugendlichen aus den Neuen Bundesländern und aus Berlin 1.800 Jugendliche arbeitslos gemeldet waren.
Erinnert sei hier auch, daß nach der Schließung des Moabiter Krankenhauses und nach der "Freisetzung" der MitarbeiterInnen anstatt eines Sozialplanes Angebote des Verteidigungsministeriums bekamen, in den Sanitätsdienst der Bundeswehr überzuwechseln.
Angesichts dieser Entwicklungen auf Bundesebene wie auch der dadurch ausgelösten längst vergessen geglaubten militaristischen Mentalität, die eine beängstigende Rennaicance erlebt, wird auch angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Stadtteilen wie Friedrichshain-Kreuzberg der ökonomische Druck immer härter.
Für eine befreite Gesellschaft - was wollen wir:
Gegen eine polizeifreie Zone am 1. Mai in Kreuzberg, wie sie vom Personenbündnis als einzigstes Politikum angestrebt wird, können auch wir nichts haben. Aber natürlich sollte allen klar sein, daß dies nur dann gewährleistet werden kann, wenn wir als radikale Linke mit einer massiven eigenständigen Mobilisierung rund um den 1. Mai im Stadtteil präsent sind. Denn wir bezweifeln, daß innerhalb der Polizeiführung ein demokratisches Umdenken stattgefunden hat, angesichts der Äußerungen des designierten Polizeipräsidenten Neubeck, der erst am 12.11.01 in einem Interview in der Berliner Zeitung kundtat, daß er auch zukünftig bei NPD-Aufmärschen, mit den Antifaschisten Versteckspielen will, und eventuelle Routen der Nazis verheimlichen will, um einen möglichen Widerstand dagen zu verhindern, und außerdem müsse man ein Verbotskonzept bzgl. der 1. Mai-Demo weiterverfolgen! Die Polizeiführer, die für die Eskalation am letzten ersten Mai (Fahndungsterror, illegale Einkesselungen, überfallartige Angriffe auf Kiezbevölkerung und Straßenfeste, etc.) verantwortlich waren, rechtfertigen noch heute ihre damals gescheiterte Eskalationsstrategie. Auch steht bislang die Auflösung der unkontrollierbaren Einsatzhundertschaften (22er und 23er) nicht einmal zur Debatte, obwohl hinlänglich bekannt ist, daß diese Einheiten für die schlimmsten und willkürlichen Prügelorgien nicht nur am 1. Mai verantwortlich sind.
Daher muß, über eine polizeifreie Zone hinaus, eine unserer dringlichsten politischen Forderung sein, diese Einheiten sofort aufzulösen, und, nach wie vor, die Absetzung der verantwortlichen Polizeiführer.
Wenn wir den 1. Mai mit neuen politischen Inhalten füllen wollen, reicht es natürlich nicht aus, sich lediglich auf eine polizeifreie Zone zu beschränken, sondern wir müssen die Herrschenden - auch schon im Vorfeld des 1. Mai - nachhaltig mit unseren politischen Forderungen konfrontieren, um am 1. Mai auf breiter Basis im Kiez und auf der Demo unseren Widerstand gegen den sozialen Kahlschlag auf die Straße zu tragen.
Forderungen wie wir sie erheben, könnten von der angeblich linken Regierung sofort umgesetzt werden: Einstellung aller Zwangsräumungen, Auflösung aller Obdachlosen- und Asylheime und menschenwürdige Unterbringung in die reichlich vorhandenen leerstehenden Wohnungen, Nutzung leerstehender Schulen und anderer Gebäude als soziale Zentren und Volxkantinen für selbstorganisierte Initiativen, etc...
...die Selbstorganisierung von unten!
Mit einer eigenständigen autonomen Mobilisierung zum Revolutionären 1. Mai nach Kreuzberg wollen wir auch ein Zeichen setzen für eine Autonome Republik Kreuzberg (Kommune). Dieses Projekt wollen wir nicht verstanden wissen als Glorifizierung oder Ghettoisierung, sondern als Auftakt einer autonomen Organisierung der Unterdrückten in Form von Straßen- und Stadtteilversammlungen. Hier wollen wir zum Ausdruck bringen, analog zu Porto Alegre, wo schon seit 10 Jahren diese Form der Selbstbestimmung praktiziert wird und jetzt ganz aktuell wie in Argentinien (Buenos Aires) von den Menschen in der Krise erkämpft worden ist, daß die BewohnerInnen im Stadtteil selbst bestimmen müssen, wo und wie Investitionen getätigt werden und welche Einrichtungen öffentliche Gelder erhalten sollen.
Angesichts der zuvor beschriebenen anstehenden Einschnitte und der womöglich drohenden Rechtsregierung Stoiber-Schill müssen wir schon jetzt dafür sorgen, uns neue Freiräume zu erkämpfen, um einerseits die Verelendungsmaschinerie hier und jetzt zu stoppen, als auch für die in Kürze anstehenden verschärften soziale Kämpfe gewappnet zu sein.
Da können wir den Vorschlag von Global Resistance nur unterstützen: "Es ist wichtig, daß wir neue BündnisparterInnen finden, und weniger dabei denken an Organisationen und Parteien, die sich als systemtragende Opposition das Label 'links' aufstempeln, sondern vielmehr an die Menschen und Selbstinitiativen, die ganz konkret den globalisierten neoliberalen Kapitalismus als Ursache für ihre Probleme ausgemacht haben."
Trotz der unterschiedlichen BewohnerInnenstruktur und den sicherlich dadurch auch vorhandenen Konflikten im Stadtteil haben die BewohnerInnen in Kreuzberg immer wieder unter Beweis gestellt, daß sie ihre Konflikte selbst lösen können, und resistent sind, wenn staatliche oder strukturelle Gewalt den BewohnerInnen aufgezwungen wird. Ritualisierte Gewalt, die kommt von außen, daß ist für viele BewohnerInnen dieser Stadtteile die tägliche soziale Gewalt auf dem Arbeitsamt und dem Sozialamt, der psychische Terror im Call-Center, der Verschleißungsterror in der Fabrik, oder gar die Prügelorgien der Bullen am 1. Mai auf alles, was sich bewegt! Diese ritualisierte Gewalt, der kapitalistische Terror, muß endlich durchbrochen werden!
Wo wir letztendlich unser politisches Projekt, Autonome Republik Kreuzberg (Kommune) und die damit verbundenen sozialen und politischen Forderungen durch eine Demonstration manifestieren, ob im Zentrum der Macht (Neue Mitte) oder im Stadtteil, darüber wollen wir jetzt eine Diskussion anstoßen, und fordern selbstorganisierte Initiativen auf, die sich nicht von vorne rein vereinnahmen lassen wollen, sich in der Debatte mit praktischen Ideen einzubringen.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren!
Gegen Patriarchat und Kapital - kämpfen wir international!
Widerstand organisieren - revolutionäre Gegenmacht aufbauen!
Für einen revolutionären 1. Mai 2OO2!
http://members.tripod.de/akgOnline/OPEN.html
e-mail: akgOnline@lycos.de
Kommunistische und Autonome Gruppen - 15. Februar 2002
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Infotelefone
Aktuelle Infos zum Naziaufmarsch in Berlin gibt es unter folgenden Telefonnummern:
0177 - 477 03 86 030 - 44 34 1001 Infotelefone der unabhängigen Antifa
030 - 275 60 756 Antifa-Infotelefon der AAB
EA Berlin
Tel. 030 - 69 222 22 Meldet Euch beim Ermittlungsausschuss, wenn Ihr verhaftet wurdet oder Verhaftungen mitbekommen habt. Der EA ist vom 30.4. bis zum 2.5. erreichbar.
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