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1. Mai 2002 Sonderseite
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Quelle: junge Welt - 24.4.2002
»Einbruch in Globalisierungsbastion«
Neonazis mobilisieren bundesweit massiv zu Aufmärschen am 1. Mai. Linke rufen zu Protesten auf
Andreas Siegmund-Schultze
Die Diskussion der radikalen Linken über antikapitalistische Aktionsformen zum 1. Mai in Berlin hat ein wenig vergessen lassen, daß Neonazis ihrerseits am »Tag der Arbeit« ein Publikum für nationalistische, fremdenfeindliche und antisemitischer Propaganda suchen werden. In Berlin, Frankfurt am Main, Dresden, Mannheim, Nürnberg, Neubrandenburg, Ludwigshafen und Göttingen sind bereits Aufmärsche angemeldet worden, bis auf Frankfurt und Neubrandenburg alle vom NPD-Bundesvorstand.
Besondere Bedeutung mißt man offenbar der Demonstration in Berlin zu, wo die Neonazipartei durch die Innenstadt ziehen will. Die Randbezirke Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen werden nur als Ausweichstrecken diskutiert. Die Berliner Innenbehörde hüllt sich unterdessen in Schweigen, was Genehmigung oder Verbot welcher Route betrifft, um eine »Kollision mit Gegendemonstranten« zu verhindern.
Im vergangenen Jahr war die NPD gezwungen, ihre Demonstration mit 800 Teilnehmern in Berlin-Hohenschönhausen abzuhalten. Ein »Bündnis gegen Rechts« will den Aufmarsch auch in diesem Jahr verhindern oder sich den Rechten »in den Weg stellen«. Neben Antifa-Gruppen mobilisieren auch Parteien und Gewerkschaften gegen die Nazis und meldeten zahlreiche Gegenkundgebungen im Stadtzentrum und in den Außenbezirken an. Die Antifaschisten kritisieren vor allem die Politik der Innenbehörde. »Man kann nicht auf der einen Seite dem Aufstand der Anständigen gegen Rechts das Wort reden und auf der anderen Seite demokratisches Engagement gegen NPD-Aufmärsche durch die möglichst lange Geheimhaltung der Route erschweren«, so ein Sprecher des »Bündnis gegen Rechts«. Und die Berliner S-Bahn GmbH will sich in diesem Jahr nicht erneut nötigen lassen, den Neofaschisten kostenlos Sonderzüge zur Verfügung zu stellen.
Auch der Aufmarsch in Göttingen soll durch die Innenstadt führen. Die Neonazis hoffen hier auf 700 Teilnehmer. Die Stadt will die Demonstration verbieten, Gewerkschaften und Antifa rufen zu »unterschiedlichen und vielfältigen Protesten gegen die NPD« auf.
Mit der geplanten »Großdemonstration« in Frankfurt/Main unternehmen die Rechten wieder einmal einen Versuch, die Ziele der globalisierungskritischen Bewegung in ihrem Sinne umzudeuten. Motto des Aufzuges: »Vielfalt statt Globalisierung«. Hier treten die einschlägigen bekannten Neonazis Steffen Hupka, Christian Worch und Thomas Wulf als »Veranstalter« auf. Hupka war wegen seines zu offensichtlich »nationalsozialistischen Kurses« und einer offensiven Zusammenarbeit mit dem konspirativen Kameradschaftsspektrum aus der NPD geworfen worden. Im Aufruf der Rechten heißt es: »Im letzten Jahr (...) gelang uns (...) der Einbruch in die Globalisierungsbastion Frankfurt am Main. (...) Das wollen wir dieses Jahr wiederholen.«
In Dresden und Nürnberg wollen die Neonazis ebenfalls durch die Stadtzentren laufen. In Nürnberg wollen die Neofaschisten unter dem Motto »Ja zur Volksgemeinschaft - Nein zu Globalisierung und Osterweiterung« marschieren. In Neubrandenburg waren Anhänger der Freien Kameradschaften am 23. März bei einem Aufmarsch von mehreren hundert Antifaschisten am Weitermarschieren gehindert worden. Trotzdem wollen sie es wieder versuchen.
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Infotelefone
Aktuelle Infos zum Naziaufmarsch in Berlin gibt es unter folgenden Telefonnummern:
0177 - 477 03 86 030 - 44 34 1001 Infotelefone der unabhängigen Antifa
030 - 275 60 756 Antifa-Infotelefon der AAB
EA Berlin
Tel. 030 - 69 222 22 Meldet Euch beim Ermittlungsausschuss, wenn Ihr verhaftet wurdet oder Verhaftungen mitbekommen habt. Der EA ist vom 30.4. bis zum 2.5. erreichbar.
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