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Stressfaktor - Berliner Terminkalender für linke Subkultur und Politik

Texte zum 1. Mai 2002
Auf dieser Seite findet Ihr die Texte, die im Vorfeld zum 1. Mai (hauptsächlich zu Berlin) erschienen sind.
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1. Mai 2002

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Quelle: indymedia - 26.4.2002

Bericht von der gestrigen 1. Mai-Veranstaltung in Berlin

Gestern fand im SO36 in Kreuzberg eine Podiumsveranstaltung der Wochenzeitung Jungle World und der Stiftung Netzwerk zum 1. Mai statt. Dabei wurden auch Infos zum Verbot der 18 Uhr Demo bekanntgegeben.

Gestern fand im SO36 in Kreuzberg eine Podiumsveranstaltung der Wochenzeitung Jungle World und der Stiftung Netzwerk zum 1. Mai statt. Es kamen über 400 Leute und die Atmosphäre war überraschend ruhig und konzentriert, was bei der ganzen aufgehitzten Stimmung in der Stadt echt verwundert. Es gab weder eine Schlammschlacht gegen die 16 Uhr-Demo, noch wurden sich an der Israel/Palästina-Frage die Köpfe eingeschlagen. Schön, dass es auch mal so geht.

Auf dem Podium saßen Prof. Peter Grottian, der Buchautor Tomas Lecorte (FelS), Ivo Bozic von der Jungle World, jemand von der AAB, Angela Marquardt von der PDS und die beiden MC's Bruder und Kronstädter von Das Department. Jutta Ditfurth hatte leider kurzfristig abgesagt und Leute vom 16-Uhr-Bündnis hatten ihre Teilnahme abgelehnt.

Die Debatte war teilweise leider etwas inhaltsfrei, wie man es beim 1. Mai nicht anders erwartet. Ausgerechnet Grottian brachte noch am meisten inhaltliche Aspekte rein. Er verteidigte das Personenbündnis und erklärte, dass sein Anliegen nicht die Befriedung des 1. Mai gewesen sei. Speziell von dem Fels-Vertreter und dem Jungle-Moderator wurde das Konzept jedoch auch kritisert. Einbindung/Intergration sei nur die andere Seite der Repression. Beides seien Stratgien des Systems zur Bekämpfung radikaler Kritik.

Allerdings waren sich alle einig, dass das Personenbündnis - ob nun zivilgesellschaftliches Befriedungsprojekt oder nicht - von seinen Kritikern des 16-Uhr-Bündnisses total überschätzt und worden sei. Und die Kritik an Grottian und dem Personenbündnis sei völlig überzogen gewesen. Angela Marquardt berichtete aus "national befreiten Zonen" im Osten, wo sich die Bündnis-Frage noch einmal ganz anders stelle und wo es gar keine "-bürgerlich-liberale" Zivilgesellschaft gebe, die man kritisieren könne. Über die Bedeutung des 1. Mai erklärte der FelS-mensch, der 1. Mai habe in Berlin deshalb so eine Bedeutung, weil er die maximale Mobiliserungsfähigkeit der autonomen, bzw. linksradikalen Szene symbolisiere.

Es wurde berichtet, dass Polizei und Innensenator Körting ein Totalverbot für den Bezirk Mitte ausgesprochen haben. So dass die 18-Uhr-Demo vermutlich nicht am Rosa-Luxemburg-Platz starten kann. Noch liegt der Auflagenbescheid jedoch nicht vor. Angela Marquardt kündigte an, dass sie - wenn sich dieses Verbot bestätigen sollte - eine Demo gegen das Demoverbot durch Mitte anmelden werde. Was ihre Genossen von der Berliner PDS dazu sagen werden, verriet sie leider nicht.

Jedenfalls war ich froh, dass die Emotionen mal nicht so hoch schlugen (von dem üblichen fünf-Minütigem Schrei-Einsatz der RIM mal abgesehen) und zumindest die richtigen Themen einmal angesprochen und zur Diskussion gestellt wurden. Auch wenn die Diskussion selbst dann eher etwas flach war. Aber so ist das wohl am 1. Mai.

Infotelefone

Aktuelle Infos zum Naziaufmarsch in Berlin gibt es unter folgenden Telefonnummern:

0177 - 477 03 86
030 - 44 34 1001

Infotelefone der unabhängigen Antifa

030 - 275 60 756
Antifa-Infotelefon der AAB

EA Berlin

Tel. 030 - 69 222 22
Meldet Euch beim Ermittlungsausschuss, wenn Ihr verhaftet wurdet oder Verhaftungen mitbekommen habt. Der EA ist vom 30.4. bis zum 2.5. erreichbar.

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