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1. Mai 2002 Sonderseite
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Text: Kommunistische und Autonome Gruppen - April 2002
Heraus zum Revolutionären 1. Mai 2002!
Der 1. Mai steht vor der Tür und die Regierenden versuchen seit Wochen durch
angedrohte Verbote, Diffamierungen und Hetzkampagnen den OrganisatorInnen der
Revolutionären 1. Mai-Demos das Leben schwer zu machen. Nachdem ein finanziell
ausgestattetes Personenbündnis (von SPD über Grüne bis AAB) aus Professoren und
Abgeordneten diverser Parteien versucht hat, in Kreuzberg mittels zivilgesellschaftlicher
Konfliktbewältigung eine sog. "Repolitisierung" (natürlich ohne politische und soziale
Forderungen) im Dialog mit den Herrschenden zu initiieren, der aber durch Ablehnung
sowohl der Autonomen und Radikalen Linken als auch großer Teile der Kiezbevölkerung
gescheitert war. Nun bemüht man sich durch Polizeibelehrungen in Schulen und durch
von der Wirtschaft gesponserte und von Senat/Polizei organisierte "Spektakel" (AHA-Konzept), möglichst viele der KiezbewohnerInnen von der Demonstration abzuhalten.
Aber die autonome Linke wird auch dieses Jahr allen Einschüchterungen und
Kriminalisierungsversuchen widerstehen, denn wir wissen, wie wichtig eine selbstständige
und parteiunabhängige Organisierung von unten ist, um eine radikale Systemkritik und
den Geist der revolutionären Umwälzung in den Köpfen aufrecht zu erhalten. Das wissen
auch die Zehntausenden, die in den letzten 15 Jahren durch ihre aktive Teilnahme an
den revolutionären Demos zusammen mit uns Widerstand geleistet haben.
Das erstmalige Verbot des revolutionären 1. Mai im vorigen Jahr wurde nicht zuletzt
durch die Gerichte damit begründet, dass durch unsere angeblich aggressiven
Kampagnen "Die Bankrotteure müssen selber bezahlen!" und "Kriminell sind die, die uns
reGIERen", das Herrschaftsmodell der parlamentarischen Demokratie unterhöhlt würde.
Doch an dieser Kampagne halten wir erst recht fest, denn mit der milliardenschweren
Abdeckung der dubiosen und verbrecherischen Immobiliengeschäfte einiger weniger
Betuchter und Privilegierter durch das Land Berlin und seine Abgeordneten wurde einmal
mehr deutlich, wie weit es mit dem "Gewissen" diverser Abgeordneter im
Parlamentsbetrieb steht: sind sie erst einmal gewählt, müssen sie sich entscheiden
zwischen den Bedürfnissen der Bevölkerung oder dem Wohlergehen einer korrupten
Clique von Bankmanagern und Immobilienhaien. Die einzige Lösung hätte nur die
Zerschlagung und Abwicklung der Bankgesellschaft sein können, und die Enteignung der
Profiteure. Stattdessen lehnt sich jetzt dieser Klüngel genüsslich in seinen Villen zurück
und feiert (die durch sie ausgehandelten und sittenwidrigen Knebelverträge unter dem
CDU-SPD-Filz) die Rendite der nächsten Jahre ihrer lukrativen Immobilienfonds, die
ihnen durch die Landesbürgschaften garantiert wurde. Die Verluste und das gesamte
Finanzdesaster dürfen wir, also die steuerzahlende und die lohnabhängige Bevölkerung
als auch die von Kürzungen betroffenen Projekte, die Erwerbsarbeitslosen und
SozialhilfebezieherInnen bezahlen und zwar, wie es geplant ist, für die nächsten 30
Jahre. Damit haben dann die, die den Deal durchgepeitscht und abgesegnet haben, wie
die sich als oberste Spar-Kommissare aufführenden Sarrazin (SPD) und Wolf (PDS) kein
Problem; Sarrazin - wie in der Berliner Zeitung vom 8.3.2002 nachzulesen ist - hat kein
Problem damit, wenn in den Bezirken jede dritte Einrichtung (Bibliothek, Schwimmbad,
Jugendläden, etc.) geschlossen wird. Und in der Berliner Zeitung vom 17.4. wird man
noch genauer: Der Senat plant, ab 1. November 2002 100 Projekten von
Jugendeinrichtungen, Freizeitstätten, bildungspolitischen Einrichtungen und
Beratungsstellen wie auch für mittellose Eltern zu Schulausflügen die Zuschüsse zu
streichen.
Ja, die Hoffnungen, die so manche/mancher mit dem Mitregieren der PDS verband,
haben sich schnell in Luft aufgelöst. Wir geben ganz unumwunden zu, dass nicht wenige
auch aus der autonomen Scene sie ebenfalls gewählt hatten.
Aber vielleicht begreifen jetzt auch einige, warum wir schon immer jeden Versuch von
Reformautonomen, NachwuchspolitikerInnen und solchen, die es werden wollen, unsere
Projekte zu besetzen, aktiv boykottiert haben. Eine neue "Fischerclique" wird es von
Berlin/Kreuzberg aus nicht geben!
Das heißt nicht, dass Autonome KommunistInnen keine Konzepte haben - sie haben sie:
aber nicht zur Reformierung der kapitalistischen Verhältnisse und Verwaltung des Elends.
Sondern Konzepte, die als Motor in einer kämpfenden Bewegung dienen, in denen das
Selbstbewusstsein derer wieder zum Tragen kommt, die heute von allem ausgegrenzt
sind oder sich ausgegrenzt fühlen.
Der diesjährige 1. Mai wird auch Auftakt sein, den Herrschenden und ihren korrupten
FunktionsträgerInnen klar zu signalisieren: ihre Hoffnung, die vielen Projekte, die sie
jetzt kaputtsparen, und die Bevölkerung gegeneinander auszuspielen, wird nicht
aufgehen! Dem müssen und werden wir, gemeinsam mit allen, die davon betroffen sind,
entgegentreten.
Der erlauchte Kreis von Bankmanagern und Immobilienhaien, die für die Berliner
Finanzkrise die Verantwortung tragen, ist uns nicht unbekannt, größtenteils handelt es
sich um den selben Personenkreis von Häuser- und Immobilienspekulanten, (wie auch
ihren geschmierten FunktionsträgerInnen des vorherigen CDU-SPD-Senats), gegen die
wir jahrelang in den 80ern und Anfang der 90er mit unserem Kampf um die Nutzung
leerstehender Häuser Widerstand entgegengesetzt haben. Während es aber damals
noch "nur" um Millionen ging, haben sie jetzt Milliarden in den Sand gesetzt und
kassieren dafür noch jährliche Abfindungen in Millionenhöhe.
Eine der ersten Handlungen des SPD-PDS-Senats war nicht etwa die Überprüfung der
Schwarzgeldkonten der Bankrotteure, sondern unter Umgehung jeglichen Datenschutzes
die umfangreiche Überprüfung sämtlicher 280.000 Konten von Arbeitslosen und
Sozialhilfeempfängern und der Datenabgleich mit den Finanzämtern um eine
gewisse "Trefferquote" von sog. "Nebeneinkünften" zu erzielen.
Die ökonomische Situation unter der neoliberalen Ausbeutungsmaschinerie in Stadtteilen
wie Kreuzberg/Neukölln/Friedrichshain/Moabit ist dramatisch. Nur noch wenige
Bewohnerinnen dort bestreiten ihr Einkommen aus tariflich sozial abgesicherten
Arbeitsverhältnissen. Immer mehr Menschen werden in die untertariflichen, nicht
abgesicherten, zeitlich befristeten Zwangs- und Zeitarbeitsverhältnisse gepresst.
Während in Berlin mehr als tausend gelernte Erzieherinnen arbeitslos sind und wegen
des Einstellungsstops keine Chance auf eine Kita-Stelle haben, werden pädagogisch
nicht ausgebildete SozialhilfeempfängerInnen in die Kitas zur Zwangsarbeit geschickt.
Das ist ein Skandal, der verdeutlicht, wie verlogen einerseits die Hetze gegen die
Arbeitslosen, andererseits die Beteuerungen des Senats, an Kindern und Bildung nicht
sparen zu wollen, sind. Konkret wissen wir dies aus dem Sozialamt Prenzlauer Berg.
Nach Vorstellung der Kapitalisten und der betreffenden staatlichen Institutionen sollen wir
eine "Reservearmee" bilden, die ständig unter Bewerbungszwang stehen soll, sich
psychoterrormäßigen Maßnahmen unterwerfen, jährliche Kürzungen ihrer Bezüge
hinnehmen, und möglichst nur im Alter von 20-35 Jahren, überdies kerngesund sein
soll.
Die globale Bewegung für soziale Gerechtigkeit und Solidarität, die Auseinandersetzung
mit der Armut, hat in Europa Hunderttausende von Menschen auf die Straße gebracht,
wie zuletzt in Barcelona, wo 400.000 GewerkschafterInnen und
GlobalisierungsgegnerInnen aus allen Ländern ihren Widerstand gegen neoliberale
Privatisierung, sozialen Kahlschlag und Kriegstreiberei auf die Straße trugen. Während in
Deutschland die DGB-Gewerkschaften aus diesen Mobilisierungen europaweit nichts
dazulernen wollen und an ihrer Sozialpartnerschaft mit den Arbeitgeberverbänden
festhalten, nahmen die italienischen Gewerkschaften die neoliberalen Ankündigungen zur
Aufweichung von Kündigungsschutzbestimmungen zum Anlass, einen Generalstreik
auszurufen unter Mitwirkung aller gesellschaftlichen Kräfte.
Aber auch in den sog. Schwellenländern formiert sich der Widerstand. Bestes Beispiel ist
Argentinien, das noch vor wenigen Jahren als IWF-Musterland galt. Die dortige
Bankenkrise nimmt die Bevölkerung seit Monaten zum Anlass, eine Regierung nach der
anderen zu stürzen, und den sozialen Aufstand unter der Parole: "Sie sind alle kriminell -
sie müssen alle gehen!" weiterzuführen.
In vielen Städten, nach Mobilisierungen von Straßenversammlungen und
Stadtteilkomitees, zog man vor die Rathäuser und die Villen der Regierenden, um sie
ihrer Ämter zu entheben, und mit VertreterInnen aus den Stadtteilkomitees die
Selbstverwaltung kommunaler Einrichtungen zu übernehmen.
Diese Initiativen gingen fast vorwiegend aus den Stadtteilen mit hoher Arbeitslosigkeit
aus, wo politische AktivistInnen und schon lange vor Ort organisierte Initiativen sich
spontan mit der betroffenen Bevölkerung zusammengeschlossen haben, um aus der
Dynamik der Bewegung heraus neue Formen des selbstorganisierten Widerstandes und
der damit einhergehenden Selbstverwaltung zu verankern.
Schon werden auch die ersten Fabriken besetzt, Tauschbörsen und öffentliche
Volxküchen in Gemeindehäusern entstehen aller Orten und die Solidarität unter der
Bevölkerung gegen die noch Herrschenden bricht sich Bahn.
Kein Tag vergeht ohne Veranstaltungen und Demonstrationen mit immer weitergehenden
Forderungen an die Noch-Regierenden, endlich alle IWF-Diktate außer Kraft zu setzen
und die Macht der Banken und Konzerne zu brechen.
Und wie groß die Entschlossenheit dieser Kräfte, ihre Pfründe zu verteidigen, ist, haben
wir gerade in Venezuela gesehen.
Nachdem die linke Regierung Chavez in Venezuela die Verstaatlichung der
multinationalen Ölkonzerne beschlossen hatte und eine weitergehende Landreform
zugunsten der Landbevölkerung (Freigabe nicht bebauter Ländereien z.B. an Indigenas)
in die Wege leitete, riefen Unternehmerverbände und die noch in ihren Händen
befindlichen Medien zum Streik und putschten mit Hilfe verbündeter Militärs die gewählte
Regierung. Der von US-Beratern mitinitiierte Putsch wurde sofort von Bush und IWF
begrüßt, da der Unternehmerchef als selbsternannter Präsident Venezuelas die
Abkommen mit Kuba außer Kraft setzen wollte und sämtliche Reformen und
Verstaatlichungen rückgängig machen wollte. Der Ölpreis fiel sofort auf ein 4-Wochen-
Tief.
Dass daraus nichts wurde, hat die Chavez-Regierung den Hunderttausenden zu
verdanken, die spontan aus den Armenvierteln vor den Regierungspalast in Caracas
zogen und auf deren Kampfbereitschaft hin die Militärs sich gezwungen sahen, die
gewählte Regierung wieder einzusetzen. Die Armen ließen es sich nicht nehmen, auf
ihrem Rückzug aus der Innenstadt die feinen Läden derer zu plündern, die diesen von
den Arbeitgeber-Verbänden angeheizten Putsch unterstützt hatten.
Jetzt zurück nach Kreuzberg.
Trotz der sehr gemischten BewohnerInnenstruktur und den sicherlich dadurch auch
vorhandenen Konflikten im Stadtteil haben die BewohnerInnen in Kreuzberg immer
wieder unter Beweis gestellt, daß sie ihre Konflikte selbst lösen können und resistent
sind, wenn ihnen staatliche und strukturelle Gewalt aufgezwungen wird. Der jetzt
verkündigte Kürzungswahn ist nichts anderes als in die Stadtteile getragene strukturelle
Gewalt, die am Ende mittels Schließungen und für den einzelnen durch
Gerichtsvollzieher, Inkassounternehmen, und Bullengewalt letztendlich durchgesetzt
werden soll. Dessen sollten sich auch die im Stadtteil lebenden Besserverdienenden
bewusst sein, wenn sich die sozialen (Abwehr-)Kämpfe zuspitzen.
Der 1. Mai in Kreuzberg ist international und auch dadurch geprägt, daß viele der hier
lebenden ImmigrantInnen und Exilgruppen (aus der türkischen, kurdischen, arabischen
und chilenischen Community) sich daran beteiligen, weil sie in den Kämpfen um
Menschenrechte aus ihren Herkunftsländern die Unterdrückung und Folter selbst erfahren
haben.
Wenn dann einige "Antifa" meinen, was hat das oder die Kämpfe im Trikont mit hier zu
tun, und sich darauf beschränkt, den von der Werbewirtschaft vorgegebenen Zeitgeist
hinterherzurennen, meinen wir, ist dies ein gewaltiger Irrtum, denn nur internationale
Solidarität im Kleinen ist der Weg zur Revolution im Großen!
Die BRD-Hauptstadt Berlin wurde unter rot-grün faktisch zur neuen "Front-Stadt"
gemacht, Berlin ist jetzt wieder "Schaufenster" der neuen deutschen Großmachtpolitik,
des Militarismus - Dreh- und Angelpunkt von Waffenexporten und Kriegsgerät.
Waffenhändler, Staatschefs, etc. (Bush kommt am 22./23.Mai, Reagan war auch schon
mal hier...) geben sich hier wieder die Klinke in die Hand. Dazu können sie nur eines
nicht gebrauchen, ein unruhiges Hinterland von Unterprivilegierten und Widerspenstigen,
die nicht mehr bereit sind, für die Folgen und unermesslichen Kosten der permanenten
Kriege der Herrschenden den Kopf hinzuhalten.
Die Bankrotteure müssen selber zahlen!
Widerstand organisieren - revolutionäre Gegenmacht aufbauen!
Freiheit für alle politischen Gefangenen weltweit!
Krieg dem Krieg!
Für einen revolutionären 1. Mai 2002!
Kommunistische und Autonome Gruppen
Infos: http://erstermai02.tk | http://mitglied.lycos.de/akgOnline
01.05.: Revolutionäre 1. Mai-Demonstration in Berlin/Kreuzberg
Kriegstreiber stoppen - Kapitalismus zerschlagen!
Auftakt: 16 Uhr - Görlitzer Bahnhof (U-Bhf) - vor Bolle-Ruine
vormittags: Nazi-Aufmarsch in Marzahn/Hellersdorf stoppen!
Achtet auf aktuelle Infos!
21./22./23. Mai: US-Präsident Bush in Berlin!
US-/NATO-Kriegspolitik angreifen! Groß-Demos und Aktionstage!
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Infotelefone
Aktuelle Infos zum Naziaufmarsch in Berlin gibt es unter folgenden Telefonnummern:
0177 - 477 03 86 030 - 44 34 1001 Infotelefone der unabhängigen Antifa
030 - 275 60 756 Antifa-Infotelefon der AAB
EA Berlin
Tel. 030 - 69 222 22 Meldet Euch beim Ermittlungsausschuss, wenn Ihr verhaftet wurdet oder Verhaftungen mitbekommen habt. Der EA ist vom 30.4. bis zum 2.5. erreichbar.
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