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1. Mai 2002 Sonderseite
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Quelle: Berliner Morgenpost - 30.4.2002
Die Ruhe vor dem Sturm
Ist es die Angst um Hab und Gut? Im Kreuzberger Dreieck zwischen Oranien-, Moritz- und Mariannenplatz ist die Stimmung gedrückt.
«Kein Kommentar», sagen die Geschäftsleute mit Blick auf den bevorstehenden 1. Mai. Die Erinnerungen an die Randale vor einem Jahr sind noch nicht verblasst. «Ich hoffe, das es diesmal ruhig bleibt und ich mit meiner Familie hier im Kiez feiern kann», sagt Thorsten Horn. Im vergangenen Jahr sei er in letzter Sekunde aus dem von der Polizei gebildeten Kessel am Mariannenplatz heraus gekommen.
Hingegen sieht man in Prenzlauer Berg der Walpurgisnacht (30. April) und dem 1. Mai ruhiger entgegen. «Bereits vor drei Jahren haben wir eine Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei geschlossen», sagt der Chef der Restauration 1900, Reinhard Patzke. In seiner Schankwirtschaft an der Husemannstraße 1 waren in den 90er-Jahren mehrmals Fensterscheiben zu Bruch gegangen.
«Das ist vorbei», sagt der Geschäftsmann. Denn alle Wirte im Kiez rund um den Kollwitzplatz informieren sich seitdem gegenseitig. «Für den Fall der Fälle haben wir einen kurzen Draht zur Polizei», sagt er. Auch habe sich die soziale Struktur im Kiez spürbar verändert. Krawallmacher hätten dort keine Chance.
Bauchschmerzen allerdings bekommt Apotheker Veit-Thorsten Meyen, wenn er an den 1. Mai denkt. Die Schaufensterscheiben an seinem Geschäft an der Kastanienallee ließ er im vergangenen Jahr mit Holzplatten vernageln. «Damals hatte ich das Geschäft gerade übernommen und wusste nur vom Hörensagen, dass es am 1. Mai hier gefährlich sein könnte», sagt der aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Geschäftsmann.
Noch einmal wolle er die Geschäftsfenster aber nicht «versiegeln». Denn solche Aktionen könnten Krawallmacher geradezu herausfordern. Jetzt hofft Mayen, dass im Mauerpark wie jedes Jahr friedlich die Walpurgisnacht gefeiert wird und der 1. Mai ohne Zwischenfälle verläuft. plet
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