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Stressfaktor - Berliner Terminkalender für linke Subkultur und Politik

Zeitungsberichte zum 1. Mai 2002
Auf dieser Seite findet Ihr die Zeitungsberichte, die im Vorfeld zum 1. Mai (hauptsächlich zu Berlin) erschienen sind.
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1. Mai 2002

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Quelle: Berliner Morgenpost - 30.4.2002

Strategie des Dialogs

Keine Krawalle am 1. Mai: Politiker und prominente Berliner rufen zu Gewaltverzicht auf

Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin: «Der Tag der Arbeit am 1. Mai ist für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein wichtiger Tag. Ein zentrales Ziel der Politik des Berliner Senats ist es, in unserer Stadt neue Arbeitsplätze zu schaffen und jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Ich werde an den Aktivitäten des DGB teilnehmen und auf der Kundgebung vor dem Roten Rathaus dabei sein. In Berlin sind von einer Vielzahl von Veranstaltern weitere Demonstrationen angemeldet. Das Recht zu demonstrieren ist ein hohes und verfassungsrechtlich garantiertes Gut. Aufgabe des Staates ist es, die Wahrnehmung dieses Rechtes zu gewährleisten.
Die Berliner Polizei setzt auf eine Strategie des Dialogs und der Deeskalation. Aber sie wird gegebenenfalls nicht davor zurückscheuen, das Recht notfalls mit Entschiedenheit durchzusetzen. Dialog und Deeskalation setzen den guten Willen aller Beteiligten voraus. Ich appelliere an alle, die am 1. Mai an Aufzügen und Demonstrationen teilnehmen: Verzichten Sie auf Gewalt. Berlin will keine Gewalt. Berlin will einen friedlichen 1. Mai.»

Volker Dierkes, Künstler: «Leute lasst das! Es bringt nichts. Alle Menschen, die hier leben, gehören nicht zur begüterten Gesellschaft.» Die Krawalle machten auch noch das Wenige kaputt, was diese Menschen haben. «Mit Steine werfen bringt man die Bankgesellschaft Berlin auch nicht dazu, ihre Schulden zu bezahlen.»

Wolfgang Völz, Schauspieler: «Die Idee, wenig Polizeipräsenz zu zeigen, klingt durchdacht. Die vermeintliche Provokation durch die Ordnungshüter, von der nach den Maiausschreitungen immer die Rede ist, entfällt. Wird es nützen? Und haben die Anwohner nicht ein Recht auf Schutz vor Übergriffen auf sich und ihr Eigentum?»

Sibyll Klotz, Fraktions-Vorsitzende der Grünen: «Ich wünsche mir einen 1. Mai mit politischen Demonstrationen und Diskussionen - ohne Gewalt. Einen Tag, an dem friedlich gefeiert wird. Und vor allem: Ich wünsche mir, dass viele, viele Bürger an diesem Tag Gesicht zeigen - gegen Neonazis und Fremdenhass.»

Tacettin Yatkin, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde: «Wir wünschen uns einen friedlichen und freundlichen 1. Mai und ohne Krawalle und Konflikte. Wir haben an unsere Jugendlichen appelliert, sich von der Straße fernzuhalten, wenn es Gewalt gibt und keine Steine zu werfen. Die Eltern sollen auf ihre Kinder aufpassen.»

Günter Rexrodt, FDP-Landeschef: «Es ist inakzeptabel, wenn der 1. Mai als Tag der Arbeit weiter zur Gewaltdemonstration pervertiert. Die Verantwortlichen polarisieren die Gesellschaft, erhöhen das Gewaltpotenzial und schaden Berlin überregional. Abgesehen davon, dass sie sich am Eigentum und der Unversehrtheit anderer versündigen.»

Susanne Stumpenhusen, Ver.di-Chefin: «Wir haben unsere Mitglieder aufgerufen, sich an der Maidemo und DGB-Kundgebung zu beteiligen. Es ist uns wichtig zu zeigen, dass Berlin weltoffen und tolerant ist. Bei uns ist kein Platz für Gewalt, Ideologien, für rassistische und antisemitische Parolen.»

Peter Grottian, Politikwissenschaftler der Freien Universität: «Die Berliner sollen offensiv ihre Rolle wahrnehmen. Wer Gewalt in Kreuzberg verhindern will, sollte den Mut haben und am 1. Mai in Kreuzberg präsent sein. Dann kann man mit seinen eignen Möglichkeiten dazu beitragen, das Entstehen von Gewalt zu verhindern.»

Andreas Matthae, SPD-Bundestagskandidat für Friedrichshain-Kreuzberg und Wirt einer Bar am Oranienplatz: «Eine Repolitisierung des 1. Mai wäre geboten. Das bedeutet, dass die Leute ihre Interessen kundtun, aber ohne ritualisierte Straßenkämpfe. Ich habe keine Lust auf die Gewalttouristen. Die können zu Hause bleiben.»

Wolfgang Huber, evangelischer Landesbischof: «Der 1. Mai muss in Berlin ein Tag sein, an dem unterschiedliche Meinungen auf friedliche Weise zum Ausdruck gebracht werden können. Ich wünsche mir, dass die Demonstranten Gewaltanwendung und Barrikaden unterlassen und die Polizei auf Wasserwerfer verzichten kann.»

Maja von Hohenzollern, Geschäftsfrau: «Wenn sich andere hier austoben, ziehe ich es vor, die Stadt zu verlassen und Sinnvolles zu tun. Ich werde nach Mallorca fliegen und dort die Tabaluga-Stiftung für misshandelte Kinder unterstützen. Ich habe viel Verständnis für politisches Engagement, nicht aber für Randalierer.»

Walter Momper, Abgeordnetenhaus-Präsident: «Jede Gewalt in der Gesellschaft ist zu ächten. Jeder sollte dafür generell seine eigene Aggressivität zurücknehmen, gleich ob im Straßenverkehr, im Alltag oder zum 1. Mai. Ich würde mir wünschen, dass auch die schlimmen Ereignisse von Erfurt zum Nachdenken über Gewalt beitragen.»

Christoph Stölzl, Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, CDU: «Der 1. Mai ist ein Tag zum Feiern und zum Nachdenken darüber, wie wir in Deutschland endlich wieder Arbeit für alle bekommen. Krawall und Gewalt sind das Letzte, was wir jetzt in Berlin brauchen. Wer immer noch damit spielt, hat in unserer Stadt nichts verloren.»

Eduard Zimmermann, Moderator: «Die Forderung aus der Bevölkerung, dass sich an diesem Tag die Polizei zurückhalten soll, empfinde ich als falsches Signal. Die Botschaft an all die, die den 1. Mai für Ausschreitungen und Terror nutzen, sollte sein: Wir lassen uns von euch den Rechtsstaat nicht kaputtmachen.»

Peter Strieder, SPD-Landesvorsitzender: «Wir sagen ganz deutlich an die Adresse der Gewalttäter und Randalierer: Es ist Schluss. Wir haben genug von dieser unsinnigen Gewalt gegen Polizisten und von dieser sinnlosen Zerstörungswut. Gewalt ist kein Ausdruck politischer Gesinnung. Wer etwas zu sagen hat, soll argumentieren.»

Rolf Dieter Müller, Berliner AOK-Vorstandschef: «Am 1. Mai finden in Berlin wieder traditionell Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit statt. Ich appelliere an alle, ihre Anliegen friedlich zum Ausdruck zu bringen und auf Gewalt zu verzichten, denn Gewalt löst keine Probleme! Erinnern wir uns alle, dass unser Tun Menschen gilt.»

Hanna-Renate Laurien, Ex-Parlamentspräsidentin: «Die Aufrufe, den 1. Mai nicht zum Tag der Gewalt werden zu lassen, sind zahlreich. Ich bin sicher, die Berliner stimmen den Aufrufen zu. Wir dürfen uns nicht von einer kleinen Gruppe Krawallmachern das Bild unserer Stadt beschädigen lassen. Ich rufe auf zum Tanz in den Mai!»

Peter Hanisch, Präsident des Landesportbundes: «Uns liegt viel daran, dass der 1. Mai endlich ein friedlicher Tag wird. Berlin darf nicht ständig an diesem Tag das Anlaufziel von Krawalltouristen aus ganz Europa werden. Den Tag der Arbeit sollten Menschen besser zum Anlass nehmen, um im Familienkreis Sport zu treiben.»

Hans-Christian Ströbele, Bundestagsabgeordneter der Grünen: «Ich gehe wie vergangenes Jahr zum Fest auf dem Mariannenplatz. Ich hoffe, dass das Fest diesmal friedlich zu Ende geführt wird und sich die Polizei zurückhält. Dann bin ich relativ zuversichtlich, dass es auch danach nicht zu größeren Auseinandersetzungen kommt.»

Lea Rosh, Aktionsbündnis «Gesicht zeigen», sagt: «Die Berliner sollten nicht zulassen, dass sich die NPD-Demonstration in der Hauptstadt breit macht. Gerade angesichts der Antisemitismus-Welle, die auch nach Deutschland schwappt, müssen wir am 1. Mai Gesicht zeigen und auf die Straße gehen.»

Günther Jonitz, Berlins Ärztekammerpräsident: «Gewalt ist immer ein Zeichen von Schwäche, ein Ausdruck von aufgestauten Emotionen und kein Mittel zur Problemlösung. Ich rate dringend von Gewaltausübung ab, zumal das nur Gegengewalt erzeugt. Wer anderer Meinung ist, sollte dies durch Argumente kundtun.»

Udo Walz, Prominenten-Friseur: «Ich bin grundsätzlich gegen jede Art von Gewalt. Sie hat uns Menschen noch nie weitergebracht. Was sie uns wirklich bringt, sind Tod, Schmerzen, Trauer und Tränen. Diese Menschen, die da gewaltbereit auf die Straße gehen, müssen endlich lernen, miteinander zu reden und zuzuhören.»

Frank Steffel, CDU-Fraktionsvorsitzender: «Ich rufe alle Teilnehmer der Maidemonstration zu Ruhe und Besonnenheit auf. Der Berliner Polizei wünsche ich das notwendige Augenmaß bei der Begleitung der Demonstration. Insbesondere die Organisatoren der Veranstaltung tragen für einen friedlichen Ablauf eine gemeinsame Verantwortung.»

Werner Orlowsky, Ex-Baustadtrat von Kreuzberg und Mitglied der Grünen: «Jeder möge sich überlegen, wo er am 1. Mai hingeht. Meine Empfehlung ist es, sehr vorsichtig zu sein. Jeder, der zu Veranstaltungen geht, muss damit rechnen, dass es schlimm kommen kann. Man sollte nicht aus reiner Neugierde hingehen.»

Stefan Liebich, PDS-Landeschef: «Ich hoffe sehr, dass dieser 1. Mai ein politischer Tag wird, an dem die gerechtfertigten Forderungen der Gewerkschaften im Mittelpunkt stehen. Auch radikaler Protest muss in Berlin möglich sein, aber er muss gewaltfrei sein. Nazis sollten an diesem Tag nicht unwidersprochen aufmarschieren dürfen.»

Dieter Scholz, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin: «Der 1. Mai ist weder ein Tag der Randale noch Anlass für Rechtsaußen, ihr Süppchen zu kochen. Seit mehr als 100 Jahren geht es um das Gleiche, trotz oder wegen der Globalisierung: soziale Gerechtigkeit, Arbeitsplätze und humane Arbeitsbedingungen.»

Franz Schulz, Baustadtrat von Kreuzberg (Grüne): «Ich finde es schade, dass die Initiative von Professor Peter Grottian gescheitert ist. Es ist langsam Zeit, Alternativen zu entwickeln. Ich hoffe jedoch, dass die Menschen den 1. Mai friedlich begehen. Jeder trägt dazu bei, wenn der Tag der Arbeit ohne Krawall ausgeht.»

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