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1. Mai 2002 Sonderseite
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Quelle: Berliner Morgenpost - 2.5.2002
Supermarkt zum zweiten Mal geplündert
Erneut ist es gestern Abend zu schweren Zusammenstößen zwischen Randalierern und der Polizei gekommen. Hunderte zum Teil vermummte Jugendliche errichteten Barrikaden und griffen die Polizei mit Steinen an.
Der Demonstrationszug der Antifaschistischen Aktion Berlin hat gerade den Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte Richtung Kreuzberg verlassen, da fliegen am Oranienplatz die ersten Steine: Bereits gegen 19 Uhr sammeln junge Randalierer Steine vom Platz auf, werfen sie mit Gebrüll gegen die Rollläden des Plus-Supermarktes an der Ecke. Sie haben zwei Ziele: Die Randalierer wollen die Polizei zum Einschreiten zwingen. Und den Laden zum zweiten Mal - nach der Walpurgisnacht - plündern. Das gelingt. Sie schleppen Dosenbier, Wein und Schnaps nach draußen.
Kurze Zeit gehts am Mariannenplatz los. Mit Brechstangen wird das Pflaster aufgebrochen, Steine werden zu Wurfgeschossen gegen Polizisten. Bierdosen fliegen hinterher.
In der Waldemarstraße sammeln sich Vermummte, teilweise nicht älter als 13, 14 Jahre. Die ersten Scheiben gehen zu Bruch. Ein «gutes Ziel»: die Apotheke an der Ecke mit der großen Fensterfront. Als die Polizei sich anfangs zurückhält, meinen einige Demonstranten: «Auf den Platz trauen die sich nie.» Irrtum.
Nach mehreren Steinhageln prescht die Polizei mit Wasserwerfern vor, zieht sich aber wieder zurück. Erneut sammeln sich Jugendliche, werfen mit Steinen und Dosen. Dann fordert die Polizei per Lautsprecher die verbliebenen Gäste auf dem Mariannenplatz auf, das Gelände zu räumen. Langsam vorrückende Einsatztrupps werden mit Feuerwerksraketen beschossen. Kleinere Polizeieinheiten stoßen zwischen die Randalierer, nehmen einige mutmaßliche Steinewerfer vorübergehend fest.
Während die Polizei langsam Richtung St.-Thomas-Kirche vorrückt, werfen einige Angetrunkene mit Bierflaschen Autoscheiben ein. Andere rücken nach, stürzen Fahrzeuge um, zünden sie an. In Höhe Waldemarstraße springen Randalierer auf Autodächer und hüpfen darauf herum. Von einem Lkw ziehen Jugendliche Holzböcke herunter, werfen sie den näher kommenden Polizisten entgegen. Aus den Hauseingängen werden Müllcontainer auf die Straße gezerrt und angezündet.
Die Polizei beobachtet diese Ausschreitungen zunächst auffallend zurückhaltend. Erst als die Flammen hoch aus den Containern schlagen, fahren Wasserwerfer hinter gepanzerten Räumfahrzeugen vor, um die Brände zu löschen und die Straße freizuräumen. «Die haben hier eindeutig massiv provoziert», sagte der Abgeordnete Özcan Mutlu von den Grünen. «Manche dachten wohl, es ist zu ruhig, die Polizei hat lange abgewartet. Das hätte ich nie gedacht. Irgendwann musste sie eingreifen.»
Dabei war die Stimmung Mittags noch friedlich. Es ist 13.30 Uhr, alle warten auf den Beginn der Demonstration Autonomer, die vom Oranienplatz zum Görlitzer Bahnhof ziehen wird. Ein paar Kreuzberger führen noch schnell ihre Hunde Gassi.
Zwei Jungen maulen: «Langweilig hier. Nichts los.» Sie trollen sich nach Hause. 15 Uhr, endlich geht es los. Zuerst skandieren die rund tausend Demonstranten «Freiheit für alle politischen Gefangenen», danach «Isohaft ist Mord», gefolgt von «Deutschland muss sterben». Die «Internationale» schallt plötzlich aus Fenstern des Hauses Oranienstraße 201.
Allenfalls zerfetzte Plakate und Flugblätter auf dem Gehweg und Glasscherben am Rinnstein zeugen von den schweren Ausschreitungen und Krawallen der vergangenen Nacht.
Überwiegend junge Menschen mit teilweise regenbogenbunten Haaren stärken sich für den Tag, erste Bierflaschen gehen herum. Die zahlreichen Polizisten und Grenzschutzbeamten in grünen Kampfanzügen nehmen sie scheinbar nicht zur Kenntnis.
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