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1. Mai 2002 Sonderseite
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Quelle: Berliner Morgenpost - 2.5.2002
Krawalle, Plünderungen, Brände
Die Hauptstadt erlebt die schwersten Ausschreitungen seit vier Jahren / Mehr als 80 verletzte Polizisten / 34 Festnahmen / Kritik an Strategie des Innensenators
In Berlin ist es in der Walpurgisnacht zu den schwersten Ausschreitungen der vergangenen vier Jahre gekommen. In Kreuzberg und Prenzlauer Berg flogen Steine auf Polizisten, Wasserwerfer kamen zum Einsatz. 34 Randalierer wurden festgenommen, mehr als 80 Polizisten verletzt. «Letzte Nacht war kein hoffnungsfroher Auftakt», sagte Polizei-Einsatzleiter Gernot Piestert. Die Strategie von Innensenator Ehrhart Körting (SPD), der auf Deeskalation setzt, ging zumindest in der Nacht zum 1. Mai nicht auf.
Dabei hatten die Walpurgisfeiern auf dem Kreuzberger Oranienplatz und im Mauerpark in Prenzlauer Berg friedlich begonnen. Insgesamt 17 000 Menschen tanzten in den Mai. Doch als Autonome einen Lebensmittelmarkt am Oranienplatz plünderten, schlug die Stimmung um. Auch im Mauerpark flogen Steine und Flaschen, nachdem Randalierer ein Feuer auf der Straße entfacht hatten und die Feuerwehr löschen wollte.
Ein Frau wurde von einer Flasche getroffen und musste reanimiert werden. Sie schwebt inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr. Eine weitere Frau erlitt Brandverletzungen, als sie offenbar alkoholisiert in eines der Lagerfeuer stürzte. Ein Mann wurde durch einen Messerstich verletzt.
Bei der Rettungsaktion und den Löscheinsätzen der Berliner Feuerwehr wurden die Beamten ebenfalls beworfen und ein Notarztwagen demoliert. «So etwas hat es bislang noch nie gegeben», sagte Feuerwehr-Chef Albrecht Broemme.
Die Randale in der Walpurgisnacht kreiden Kritiker dem Innensenator persönlich an. «Körting ist blauäugig und naiv, wenn er mit Deeskalation gegen Leute vorgeht, die seit 15 Jahren Randale wollen», sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Gerhard Vogler. Kritik am Konzept des Innensenators kam auch von der Polizeiführung. Einsatzleiter Gernot Piestert befürchtete schon vor dem 1. Mai, dass es zu Ausschreitungen kommen werde. Er bemängelte zudem, dass die am gestrigen Abend stattfindende «Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration» durch die östliche Berliner City ziehen darf. Er befürchtete heftige Krawalle.
Am gestrigen Vormittag gelang es dagegen der Polizei, bei dem Aufmarsch der NPD in Hohenschönhausen Ausschreitungen zu verhindern. Ein Aufgebot von knapp 2000 Beamten konnte die etwa 1000 Rechtsextremisten und ebenso viele Gegendemonstranten auseinander halten. An dem Protest gegen die NPD in Hohenschönhausen nahmen auch die Parteivorsitzende der Grünen Claudia Roth und Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) teil.
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