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Quelle: Berliner Zeitung - 2.5.2002
Muss es am 1. Mai erst Tote geben?
Christine Richter
In diesem Jahr haben die Krawallmacher in Berlin gar nicht erst bis zum Einbruch der Dunkelheit am 1. Mai gewartet: Schon in der Nacht zuvor, der Walpurgisnacht, kam es zu heftigen Ausschreitungen in den Stadtteilen Kreuzberg und Prenzlauer Berg. Zu den schwersten seit vier Jahren, sagt die Berliner Polizei. In Prenzlauer Berg wurde eine junge Frau schwer verletzt, die Ärzte, die ihr helfen wollten, wurden von den Gewalttätern massiv behindert. Das alles mag verstehen, wer will. Normal ist das nicht.
Und doch: Das so genannte Deeskalationskonzept des Berliner Innensenators Ehrhart Körting (SPD) ist nicht gescheitert, nur weil es wieder einmal zu Ausschreitungen kam. Die Polizei hat sich deutlich zurückgehalten und ist erst eingeschritten, als die Straftaten begangen wurden. Die Gewalt ging wieder einmal von der anderen Seite aus. Auch ein massiver Polizeieinsatz oder ein Verbot der linksradikalen Demonstrationen am 1. Mai würde solche Straftäter wohl nicht davon abhalten, einen Supermarkt zu plündern, Autos umzuwerfen und anzuzünden oder Straßenbarrikaden zu errichten. Diese Menschen wollen offenbar nur die Polizei provozieren, um sich dann die alljährliche Straßenschlacht liefern zu können.
Seit 15 Jahren steht der Mai-Feiertag in Berlin ganz im Zeichen der Krawalle, in diesem Jahr wurde eine Frau nun schwer verletzt. Muss es erst Tote geben, bevor die so genannten Autonomen aufhören, die Stadt zu terrorisieren? In diesem Jahr jedenfalls haben sie einmal mehr bewiesen, dass sie keinen Respekt vor Menschen, geschweige denn vor dem Eigentum anderer haben.
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