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1. Mai 2002 Sonderseite
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Quelle: Berliner Zeitung - 2.5.2002
Demonstranten
Die Stadt, die Randale und der Müll
Brigitte Fehrle
Wie durchbricht man ein Ritual? Was kann man tun, damit nicht jedes Jahr erwartungsgemäß in Kreuzberg oder Friedrichshain am 1. Mai die Steine und Flaschen fliegen und Autos und Mülltonnen brennen? Die Antwort ist: Nichts. Nichts kann man tun gegen Leute, die Randale machen wollen. So wie man auch nichts dagegen machen kann, dass regelmäßig nach dem Baumblütenfest in Werder sich die Leute betrinken und dann verhauen.
Man könnte aber viel dafür tun, dass der so genannte "Revolutionäre erste Mai" seinen politischen Impetus verliert. Ohne das Etikett "links" wäre die alljährliche Prügelei kein Unikat mehr und mithin nicht mehr so interessant. Verhindert wird dies seit Jahren durch Gruppen, die es möglich machen, dass die Mai-Randale sich "politisch" nennen kann. In diesem Jahr war es das "Personenbündnis". Zweifellos engagierte Leute wollten Gewalt verhindern und Politik wiederbeleben. Spätestens als vor einigen Wochen das Auto von einem der Beteiligten, dem Universitätsprofessor Peter Grottian, angezündet wurde, hätte der sich darüber klar werden müssen, dass sein Angebot unerwünscht ist. In diesem Jahr erreichte die Solidarisierung dieses Umfeldes mit dem harten Kern einen traurigen Höhepunkt. Die Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg-Friedrichshain, die PDS-Politikerin Cornelia Reinauer, sagte in einer Diskussionssendung des SFB, sie bedauere, dass es unter "allen linken Gruppen" keine Einigung habe geben können über den Charakter der geplanten Demonstrationen.
Seit es die Mai-Randale in Kreuzberg gibt, halten Teile der Grünen, linke Gruppen und jetzt auch die PDS ihre schützende Hand über Maoisten, Autonome, Anarchisten. Man trifft sich irgendwo in der Kritik am "System" und hat deshalb irgendwie unausgesprochenes Verständnis dafür, dass der Kampf gegen die "Polizeigewalt" zu führen ist.
Peter Grottian sagt in der SFB-Sendung: Viele sollten den "Mut" haben, Polizisten "anzuschreien", wenn sie einen Demonstranten verprügeln. Warum probt er nicht einmal, wie man Autonome davon abhält, mit Leuchtmunition von Dächern zu schießen, einen Kiez im Müll versinken zu lassen? Die radikalen Gruppierungen wissen um diese Identifizierung der Linken und nutzen sie aus. Ohne deren Betreuung hätten sie nie so viel Bewegungsspielräume gehabt. In diesem Jahr hat gar die PDS regierungsamtlich diese Rolle übernommen.
Die Randalierer kann man nicht verhindern. Aber man kann sie mit sich und ihren Absichten alleine lassen. Die Polizei braucht dann keine "Deeskalationskonzepte". Sie hat ihren Job zu tun, wie es das Gesetz vorschreibt. Besonnen und vernünftig. Alle anderen sollten sich am 1. Mai in Kreuzberg an eine neue Losung halten. Nicht "Heraus" muss es heißen, sondern "Zu Hause bleiben". Politik kann auch an 364 anderen Tagen des Jahres gemacht werden.
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