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1. Mai 2002 Sonderseite
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Quelle: Berliner Zeitung - 2.5.2002
NPD-Aufzug legt S-Bahn-Verkehr lahm
Hunderte protestieren gegen Rechtsextremismus
Andreas Kopietz
Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot sind am Mittwoch rund 700 Rechtsextreme durch Hohenschönhausen marschiert. Mehrere hundert Demonstranten protestierten gegen den Aufzug der NPD-Anhänger, darunter auch die Partei-Chefin der Grünen, Claudia Roth, sowie Kultursenator Thomas Flierl (PDS). Aus Protest gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen läuteten auch die Glocken der nahe gelegenen Kirchengemeinde Hohenschönhausen-Nord.
Mehr als 1 800 Polizisten und BGS-Beamte waren im Einsatz. Über dem Areal kreisten Hubschrauber. Unterstützt wurden die Berliner Polizisten durch Kollegen aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. "Die Demonstrationen verliefen weitgehend friedlich", sagte Polizeisprecher Karsten Gräfe. "Nur vereinzelt kam es zu Rangeleien zwischen den NPD-Anhängern und Gegendemonstranten." Immer wieder versuchten Gegendemonstranten Straßenblockaden aufzubauen und Kreuzungen lahm zu legen. Die Rechtsextremen skandierten: "Hier marschiert der nationale Widerstand." Die Gegendemonstranten antworteten mit: "Nazis raus".
Der Aufmarsch der Rechtsextremisten war gegen Mittag mit Verspätung am S-Bahnhof Hohenschönhausen gestartet. Mit der S-Bahn und Bussen waren die NPD-Anhänger aus mehreren Bundesländern angereist. Zu dem Aufmarsch aufgerufen hatte der NPD-Bundesgeschäftsführer Frank Schwerdt. Nur unter strengen Auflagen war der Aufmarsch der Rechtsextremen genehmigt worden. Unter anderem durften die Teilnehmer keine Springerstiefel oder Uniformen tragen. Außerdem wurde die Rede des Alt-Nazis Friedhelm Busse verboten.
Bereits im Vorfeld wurden Regionalzüge, Straßenbahnen und Busse von der Polizei kontrolliert. Vier NPD-Anhänger wurden wegen Tragens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen festgenommen. Auch auf dem Bahn- hof Hohenschönhausen wurden scharfe Personenkontrollen durchgeführt und versucht, Demonstranten und Gegendemonstranten voneinander zu trennen. Das Areal um den S-Bahnhof Hohenschönhausen war für den Verkehr gesperrt. Zu Verkehrsbehinderungen im S-Bahn-Netz kam es, nachdem aus Protest gegen den NPD-Aufzug in S-Bahn-Zügen, die in Richtung Hohenschönhausen fuhren, die Notbremsen gezogen worden waren.
Die NPD hatte 1 400 Teilnehmer zur Demo erwartet. Dass tatsächlich nur die Hälfte kam, erklärten Mitglieder mit "Motivationsproblemen" wegen der vielen Aufmärsche in letzter Zeit. Nach der Abschlusskundgebung wurden die Partei-Anhänger mit regulären S-Bahn-Zügen Richtung Spandau und Warschauer Straße abtransportiert. Die S-Bahn hatte sich geweigert, Sonderzüge bereitzustellen.
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