zur Startseite
Stressfaktor - Berliner Terminkalender für linke Subkultur und Politik

Zeitungsberichte zum 1. Mai 2002
Auf dieser Seite findet Ihr die Zeitungsberichte, die im Vorfeld zum 1. Mai (hauptsächlich zu Berlin) erschienen sind.
Zurück zur Sonderseite...

[squat.net]
Termine Adressen Voküs Themen Fotos Links Kontakt


Warning: Missing argument 1 for navigate() in /web/stressfaktor.squat.net/public_html/2002/sonderseiten/inc/mai_nav.inc on line 4

1. Mai 2002

Sonderseite
Programm
Texte
Zeitungen
Links
Bildmaterial
andere Städte
Nachbereitung


Warning: main(): URL file-access is disabled in the server configuration in /web/stressfaktor.squat.net/public_html/2002/sonderseiten/mai1.txt on line 3

Warning: main(http://stressfaktor.squat.net/inc/banner.inc.php): failed to open stream: no suitable wrapper could be found in /web/stressfaktor.squat.net/public_html/2002/sonderseiten/mai1.txt on line 3

Warning: main(): Failed opening 'http://stressfaktor.squat.net/inc/banner.inc.php' for inclusion (include_path='.:/usr/share/php:/usr/share/pear') in /web/stressfaktor.squat.net/public_html/2002/sonderseiten/mai1.txt on line 3

Quelle: Berliner Zeitung - 2.5.2002

Kreuzberger Rituale

Um zehn nach sieben am Mittwochabend ist es so weit. Der Plus-Supermarkt in der Kreuzberger Oranienstraße wird - wie schon in der Walpurgisnacht - geplündert. Ein paar vermummte junge Männer haben die Rollläden der Eingangstür hoch geschoben und die Scheibe zertrümmert. Die Alarmanlage heult. Doch das kümmert hier keinen. Etwa zwanzig Maskierte bedienen sich: Mars-Schokoriegel, Rotweinflaschen und Six-Packs Bier schleppen sie auf die Straße. Draußen, auf dem Oranienplatz, haben ein paar junge Leute ein Lagerfeuer angezündet. "Was soll das?" ruft ein Kreuzberger. Vergebens, er bekommt nicht einmal eine Antwort. Es ist nicht die Zeit zum Reden.

Es ist der Auftakt zur jährlichen 1.-Mai-Randale in Berlin, und auf die haben hier offenbar fast alle gewartet. Anwohner, Demonstranten, Touristen. Tausende von Menschen sind in Kreuzbergs Straßen unterwegs, seitdem am Nachmittag im Bezirk zwei Demonstrationen autonomer und linker Gruppen zu Ende gegangen sind.

Die Polizei hat sich den ganzen Tag über auffallend zurückgehalten, und auch die Demonstrationen, zu denen autonome und linke Gruppen aufgerufen hatten, gingen ohne Zwischenfälle zu Ende. Straßenhändler machen ein gutes Geschäft an diesem Nachmittag. Es ist warm, und sie verkaufen massenweise Bier, Cola und kaltes Mineralwasser. Reisebusse fahren langsam durch die Straßen.

Doch jetzt, mit der einsetzenden Dämmerung, ist die Ruhe dahin. Auf dem Mariannenplatz, wo bis vor einer Stunde Anwohner noch ein Fest gefeiert haben, fliegen die ersten Steine. Ohne Grund, ohne Provokation, ohne Anlass. Es sind beileibe nicht nur deutsche und türkische Jugendliche aus Berlin, die sich Kapuzen und Hasskappen über den Kopf ziehen und hier mitmischen. Junge Männer mit Magdeburger Dialekt und aus Stendal sind da, und auch ortsunkundige Krawalltouristen aus Süddeutschland sind nicht zu überhören. Die Scheiben des BVG-Wartehäuschens am Platz gehen zu Bruch. Da gibt die Polizei - etwa 5 000 Beamte sind rund um den Feiertag in Berlin im Einsatz - ihre Zurückhaltung auf. Sie rückt mit Wasserwerfern vor und spritzt in die Menge auf dem Platz. Die Polizisten, viele von ihnen aus Bochum, Magdeburg oder Erfurt, springen aus ihren Mannschaftswagen und verfolgen die Randalierer.

Etwa um diese Zeit, es ist viertel vor acht, setzt sich die so genannte "Revolutionäre 1. Mai-Demo" am Rosa-Luxemburg-Platz in Bewegung. Mehr als 6 000 Demonstranten machen sich auf den Weg nach Kreuzberg, an der Spitze des Zuges der so genannte Schwarze Block. Die Stimmung ist gereizt. Doch der Marsch kommt nicht bis nach Kreuzberg. In der Heinrich-Heine-Straße stoppt die Polizei den Zug. Sie will verhindern, dass die Demonstranten sich mit den Randalierern weiter südlich vereinigen. Bis zum Michaelkirchplatz wird die Menge noch weitergeschoben, dann, um 21 Uhr, sind tausende Demonstranten auf der Wiese eingekesselt.

Steine, Tränengas und Wasserwerfer

"Haut ab, haut ab. Wir sind das Volk", schreit die Menge in Richtung Polizei. Vereinzelt werden Leuchtkugeln in die Luft geschossen. Und dann fliegen auch hier Steine. Der Platz ist eng, es gibt für niemanden ein Entkommen. Doch die Polizei greift nicht an, sie lässt sich auch nicht provozieren, sie räumt den Platz nicht. Sie wartet ab, spritzt gelegentlich mit ihren Wasserwerfern und zündet ein paar Tränengasgranaten. Vorne, nach Süden hin, steht die Kirche, rund um den Platz stehen Plattenbauten. Die Menschen beobachten aus ihren Fenstern, was hier geschieht. Nebelschwaden steigen auf dem Platz auf, irgendwo brennt es. Noch immer dröhnt aus dem Lautsprecherwagen Drum n Bass-Musik. Offenbar haben viele Anwohner nicht damit gerechnet, dass es hier Krawall geben könnte. Denn sie haben ihre Autos auch an diesem Abend hier geparkt. Zwei Wagen werden angezündet, die Polizei rückt mit Wasserwerfern vor und löscht die brennenden Autos.

Gegen zehn Uhr abends fordert die Einsatzleitung die Menge auf, sich zu zerstreuen. Nur eine halbe Stunde später herrscht Ruhe am Michaelkirchplatz. Doch in Kreuzbergs Straßen ziehen kleine Grüppchen umher. Man wartet ab, ob noch was geschieht. Hier und da kokeln Barrikaden, fliegen Steine. In der Adalbertstraße wird zu Reggae-Musik getanzt. (suz., ls., kop., bf.)

Infotelefone

Aktuelle Infos zum Naziaufmarsch in Berlin gibt es unter folgenden Telefonnummern:

0177 - 477 03 86
030 - 44 34 1001

Infotelefone der unabhängigen Antifa

030 - 275 60 756
Antifa-Infotelefon der AAB

EA Berlin

Tel. 030 - 69 222 22
Meldet Euch beim Ermittlungsausschuss, wenn Ihr verhaftet wurdet oder Verhaftungen mitbekommen habt. Der EA ist vom 30.4. bis zum 2.5. erreichbar.

Rückblick

1. Mai 2000
Sonderseite
Nachbereitung

1. Mai 2001
Sonderseite
Nachbereitung

Kontakt

E-Mail an StressfaktorE-Mail an den Stressfaktor