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1. Mai 2002 Sonderseite
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Quelle: Berliner Zeitung - 2.5.2002
Schwere Krawalle am 1. Mai
Berliner Polizei: Heftige Zusammenstöße / Supermarkt geplündert Gewerkschaft kritisiert "stümperhafte Strategie" des Innensenators
Der 1. Mai stand in Berlin auch in diesem Jahr im Zeichen gewalttätiger Auseinandersetzungen. Am Mittwochabend kam es im Stadtteil Kreuzberg zu Straßenschlachten zwischen Anhängern der linksautonomen Szene und der Polizei. Die Berliner Polizei setzte Wasserwerfer ein, ein Supermarkt, der schon in der Walpurgisnacht geplündert worden war, wurde erneut von rund 20 Gewalttätern ausgeraubt. In der Nacht zum Mittwoch war es in Berlin und auch in Hamburg bereits zu schweren Ausschreitungen zwischen Linksautonomen und der Polizei gekommen.
Angesichts der Krawalle herrschte in Berlin am Mittwoch Streit über die Strategie der Deeskalation des rot-roten Senats. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) verteidigte die Zurückhaltung der Polizei und warnte vor vorschnellen Urteilen. Die Polizei selbst zeigte sich in einer ersten Bilanz "nicht unzufrieden" mit dem Einsatz am 1. Mai. Die Krawalle am Abend seien nicht, wie befürchtet, so schwer gewesen wie zuvor in der Walpurgisnacht, sagte der Leiter des Führungsstabes im Landespolizeiamt, Alfred Markowski. Dutzende Demonstranten wurden an beiden Abenden festgenommen.
Nach der Walpurgisnacht hatte die Berliner Polizei allerdings von den schwersten Krawallen seit vier Jahren gesprochen. In der Nacht zum Mittwoch wurden nach Angaben der Polizei mehr als 80 Beamte verletzt. Eine Frau erlitt im Stadtteil Prenzlauer Berg schwere Verletzungen.
Die CDU erklärte das Konzept des Innensenators für gescheitert. Auch die Polizeigewerkschaft kritisierte Berlins Innensenator Körting scharf. Der Bundesvorsitzende Gerhard Vogler sagte, Körtings Deeskalationsstrategie sei gescheitert. Körting sei blauäugig und naiv, wenn er mit Deeskalation gegen Leute vorgehe, die seit 15 Jahren Randale wollten, sagte Vogel. "Was Körting hier gemacht hat, ist an Einfältigkeit nicht zu überbieten." Die politischen Vorgaben für die Polizei seien stümper- und amateurhaft.
Proteste gegen Neonazis
Tagsüber waren am 1. Mai zwei Demonstrationen in Kreuzberg zunächst friedlich verlaufen. Am Nachmittag protestierten rund 5 000 Anhänger linker Gruppen, am Abend zogen 6 000 Teilnehmer der "Revolutionären 1. Mai-Demonstration" vom Rosa-Luxemburg-Platz im Bezirk Mitte nach Kreuzberg.
Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gab es auch am Rande von Aufmärschen von Rechtsextremisten. Bei Protesten gegen eine NPD-Demonstration im Berliner Bezirk Hohenschönhausen kam es zu Rangeleien, als die Beamten rund 400 Gegendemonstranten von dem Aufzug der knapp 800 NPD-Anhänger abdrängen wollten.
In Frankfurt am Main versuchten hunderte Gegendemonstranten, die Anfahrt von Rechtsextremen durch Absperrungen rund um den geplanten Versammlungsort zu behindern. (mit AP, dpa)
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