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[Quelle: junge Welt - 19.8.2000]
Berlin: Kulturzentrum unterm Hammer
Bewohnerinnen und Bewohner der Köpi befürchten schnelle Kündigung
Für den 29. August ist die Versteigerung des Grundstückes Köpeniker Straße 137 in Berlin - besser bekannt als »autonomes Kulturzentrum Köpi« - in Berlin-Mitte angekündigt. Es ist mittlerweile der dritte Anlauf, das Grundstück, das seit Herbst vergangenen Jahres von der Commerzbank zwangsverwaltet wird, zu versteigern. Die erste Versteigerung war gescheitert, weil sich kein Käufer fand, der das Mindestangebot von 3,8 Millionen DM bot. Den Termin für eine zweite Versteigerung sagte die Commerzbank kurzfristig ab.
Die etwa 40 Bewohner des Grundstückes befürchten bei einer Versteigerung, daß der neue Besitzer sie schnellstmöglichst kündigen wird. Dies ist keine unberechtigte Sorge. Bereits im Vorfeld zur ersten Versteigerung war ein Gutachten aufgetaucht, in dem die Kosten für den Abriß des Hauses, die Räumung und Sanierung des Geländes mit einem bedeutend geringeren Betrag beziffert wurde als der Verkehrswert, der von Experten auf 5,4 Millionen DM geschätzt wird. Zudem waren die Mietverträge der Bewohner nicht erwähnt. Die Mieter des Hauses tauchten als angebliche Hausbesetzer in dem Gutachten auf. Nutzungspläne für das Grundstück sind bereits vorhanden. Sie reichen von einem Einkaufszentrum über Büroräume hin zu Eigentumswohnungen.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner des ehemals besetzten Hauses sind derartige Visionen abwegig. Sie haben bereits Widerstand angekündigt, wie bei den Versteigerungen zuvor, und bezeichnen die Köpi als »Risikokapital«. Das Grundstück als Mietergemeinschaft zu kaufen ist ihnen auf Grund des hohen Preises nicht möglich.
Das Grundstück wurde im Februar 1990 besetzt und später legalisiert. Die Bewohner erhielten als Gegenleistung für die Sanierung auf eigene Kosten des zum Abriß bestimmten Hauses vom Bezirk Mitte dauerhafte Einzelmietverträge. Im Rahmen der Rückgabe von Grundstücken an sogenannte Alteigentümer gelangte das Haus in die Hände einer Erbengemeinschaft, die es einem Spekulanten weiterverkaufte. Der neue Besitzer ging pleite und mußte das Grundstück seinem Hauptgläubiger, der Commerzbank, zur Zwangsverwaltung übergeben.
Die Versteigerung beginnt um 8.30 Uhr im Amtsgericht Mitte, Littenstraße. Bewohner und Sympathisanten veranstalten zur gleichen Zeit vor dem Gericht eine Kundgebung gegen die Versteigerung.
Maurice Schuhmann
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