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[D.A.N.K.E - Dokumentationsstelle und Archiv neurotisch-kaotischer Entwicklungen]
1. Mai-Bericht aus Berlin-Kreuzberg
17:14 Uhr Nach dem Ende der NPD-Kundgebung vor gut einer Stunde beginnt nun das Warten auf den Beginn der "Revolutionären 1.Mai-Demonstration in Kreuzberg und ob die Demonstration tatsächlich auf der erlaubten Route bleibt oder einen militanten Durchbruch nach Berlin-Mitte erzwingt.
18:16 Uhr Am Oranienplatz hat die Auftaktkundgebung zur "Revolutionären 1. Mai-Demonstation" begonnen, zu der sich bislang etwa 4500 Leute eingefunden haben. Der Anmelder der Kundgebung wurde kurz vorher von der Polizei festgenommen, dann aber wieder freigelassen. Zwei Lautsprecherwagen wurden beschlagnahmt. Davor war die von einer maoistischen Splittergruppe angemeldete separate Mai-Kundgebung ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen. Momentan kündigt sich ein Gewitter an; erste Regentropfen fallen, entfernter Donner ist zu hören.
19:16 Uhr Nach dem Abschluß der Auftaktkundgebung zur "Revolutionären 1. Mai-Demonstation" hat sich ein Demonstrationszug in Bewegung gesetzt. Die uns übermittelten Angaben über die Teilnehmer an der Kundgebung schwanken zwischen 3000 und 8000. Auf der Kundgebung war in einem Redebeitrag der "Antifaschistischen Aktion" erhebliche Selbstkritik geübt worden. Nach dem Niedergang des Sozialismus seien die alten Sicherheiten verschwunden, was aber für die Linke auch die Chance zu einem Neuanfang sei. Der alte revolutionäre Klassenkampf wurde als nicht praktikabel bezeichnet, weil es keine Möglichkeit der Solidarisierung von Arbeitern mit Randgruppen wie Punks, Schwulen etc. gäbe. Jutta Dittfurth zeigte sich in einer anderen Rede enttäuscht von der rot-grünen Regierung, insbesonders von der Atompolitik. Mit dem Beginn des Demonstrationszuges haben die bislang nicht ungewöhnlch massiert auftretenden Polizisten ihre Helme aufgezogen, die Deeskalationsgruppe der Polizei hat sich zurückgezogen. Interessantes Detail am Rande: Ein in dieser Woche gegründeter "Verein zur Verhinderung von Chaos-Tagen" zeigt Präsenz auf der Demonstration.
19:35 Uhr Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei am Görlitzer Park (Kreuzberg) +++ Teilnehmerzahl der Demo auf ca. 10.000 gestiegen +++ Erste Steinwürfe am Görlitzer Park (Kreuzberg) +++ Die Riots beginnen?!
19:40 Uhr Trotz auffahrens von Wasserwerfern scheint sich die Lage (kurzfristig) wieder zu beruhigen, das ganze Gebiet zwischen Görlitzer Park und Kottbusser Tor wird ständig von Hubschraubern beobachtet (gefilmt)
20:00 Uhr In einem Redebeitrag kündigte die AntiFa an die EXPO-Eröffnung zu verhindern +++ Laut Veranstalter 20.000 - 25.000 Teilnehmer auf der Demo +++ Wasserwerfer wurden wieder zurückgezogen +++ Immernoch unablässiges Hubschraubergeratter über Kreuzberg
20:34 Uhr An der Ecke Oranienstraße/Oranienplatz (Kreuzberg) kommt es zu Stein, Stuhl, Flaschenwürfen! +++ Polizei gibt "Knüppel frei" +++ Straßenschlacht in vollem Gange +++ Kontakt mit Berichterstatter abgebrochen...
20:40 Uhr Berichterstatter von Stein am Fuß getroffen, aber wohl auf +++ Massiver Wasserwerfereinsatz am Oranienplatz +++ Demo wird in Richtung Adalbertstraße / Kottbusser Tor zurückgedrängt
20:42 Uhr Der Oranienplatz ist von ca. 10 Wasserwerfern und Unmengen Polizisten besetzt +++ Trotzdem versuchen die Demonstranten zum Oranienplatz vorzudringen
20:45 Uhr Nach sich ständig verstärkenden Auseinandersetzungen, bei denen die Polizei u.a. in der Oranienstr. versuchte, die Demo in zwei Teile zu spalten und dabei zurückgeschlagen wurden, mußte die Demonstration seitens des Veranstalters für aufgelöst erklärt werden. Die Auseinandersetzungen gehen aber weiter.
20:45 Uhr Die Polizei schließt ca. 500 Demonstranten zwischen Adalbertstraße und Oranienplatz auf der Oranienstraße ein
20:47 Uhr Erste Barrikaden werden auf der Oranienstaße (ca. Höhe Oranienplatz) errichtet und in Brand gesteckt
20:50 Uhr Polizei dringt mit Räumpanzer zur Barrikade vor, nach kurzem Kampf wird die Barri gelöscht +++ Es kommt zu Festnahmen, die Festgenommenen werden in Hauseingänge gezerrt.
20:56 Uhr Mit massiven Wasserwerfereinsätzen hat die Polizei die Demonstration auseinandergetrieben. Dieser Erfolg ist jedoch von zweifelhafter Qualität weil sich nun Tausende in kleineren Gruppen durch die Straßen bewegen und sich mit der Polizei ständig schwere Auseinandersetzungen liefern. Die Polizei versucht daher das Kreuzberg Zentrum abzuriegeln, um die Krawalle einzugrenzen.
21:00 Uhr Zwischen Oranienplatz und Adalbertstraße werden noch ca. 150 Demonstranten in einem dreigeteilten Kessel festgehalten +++ Es wird von heftigem Knüppeleinsatz berichtet.
21:05 Uhr Die Adalbertstraße wurde von der Polizei wieder freigegeben, der Kessel ist aufgelöst +++ Die Demonstranten rücken Richtung Oranienplatz vor +++ N-TV bringt erste "Live" Bilder von den Ausschreitungen am Oranienplatz
21:20 Uhr Die Oranienstraße ist wieder frei, die Demonstranten sind in alle Himmelsrichtungen zerstreut, oder verhaftet +++ Oranienplatz immer noch von starken Polizeieinheiten gesichert +++ Polizei zieht Richtung Görlitzer Bahnhof ab.
22:35 Uhr In ganz Kreuzberg (SO36) kommt es zu massiven Ausschreitungen, in der Skalitzer Str., am Kottbusser Tor, am Görlitzer Bahnhof, am Oranienplatz werden Polizeifahrzeuge mit Steinhageln eingedeckt, die Sparkasse am Kottbuser Tor wurde zerstört, Schaufensterscheiben, Telefonzellen, und Bushaltestellen liegen in Scherben, an mehreren Orten brennen Barrikaden (am Oranienplatz über 2 Meter hoch). Die Polizei setzt Wasserwerfer, Räumfahrzeuge und Tränengas ein. Ein Ende der Ausschreitungen scheint nicht in Sicht.
00:24 Uhr Im Bereich Görlitzer Bahnhof finden zur Zeit immer noch kleinere Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstrantengruppen von bis zu 50 Personen statt. Es steht zu erwarten, daß sich die Lage erst in den frühen Morgenstunden beruhigen wird. Der Bezirk Kreuzberg ist nach Friedrichshain und Mitte von der Polizei hermetisch abgeriegelt. Nur in Richtung Mehringdamm/U Bahnhof Hallesches Tor ist ein Durchkommen möglich.
02:56 Uhr Die Polizei hat die Lage wieder unter Kontrolle +++ Vereinzelt werden noch kleinere Einsätze gefahren +++ Die Friedrichstraße wird immer noch von einigen Einheiten bewacht
Quelle:
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