Vortrag und Diskussion: Chinas Krise der sozialen Reproduktion.

Diskussion/Vortrag

Chinas Krise der sozialen Reproduktion. Wie Frauenwiderstand und sinkende Geburtenrate Chinas Kapitalismus untergraben.

Während das migrantische Arbeitskräftereservoir versiegt, das Chinas Kapitalismus bisher am Laufen hielt, verschärften sich die Bedingungen der sozialen Reproduktion in den Familien: stagnierende Löhne und hohe Kosten erhöhen den Arbeitsdruck und verlangen zwei Lohneinkommen, lange Arbeitszeiten und Überstunden lassen kaum Zeit für Erziehung oder Pflege, und die migrantische Arbeit an unterschiedlichen Orten zerreißt den Familienzusammenhang.

Die Familie als Keimzelle der kapitalistischen Gesellschaft und Ort der sozialen Reproduktion ist in der Krise – immer weniger junge Leute heiraten, Scheidungen haben zugenommen und die Geburtenrate ist weltweit eine der niedrigsten und nach dem Ende der Ein-Kind-Politik 2015 weiter eingebrochen. Eine Verschärfung der Arbeitskräfteknappheit ist absehbar, das chinesische Akkumulationsregime gefährdet.

Zur Lösung setzt die Regierung der Kommunistischen Partei auf eine natalistische Politik. Sie will die Frauen wieder „an den Herd“ verbannen und drängt sie zur Produktion von mehr Kindern „für die Nation“. Dagegen formiert sich seit Jahren der Frauenwiderstand. Ihr Geburtenstreik wendet sich gegen die Verschlechterung ihrer sozialen Position als Mütter, sie kämpften gegen die alltägliche sexualisierte Gewalt in der patriarchalen Gesellschaft, und sie bedienen sich feministischer Diskurse, um ihren Drang nach mehr Kontrolle über ihr Leben auszudrücken.

Ort

Schwarze Risse
Gneisenaustr. 2a
10961 Berlin
Deutschland