Podiumsdiskussion: Perspektiven auf Voluntourismus in unterschiedlichen Kontexten - Herausforderungen und Wege nach vorn
Ob Freiwilligendienste, kurze „Hilfseinsätze“ oder Projektreisen – Voluntourismus begegnet uns in vielen Formen und wird oft als Möglichkeit beworben, etwas Gutes zu tun. Doch gut gemeinte Hilfe kann unbeabsichtigt schädliche Strukturen festigen, bestehende Machtverhältnisse verstärken und den Blick von den Menschen ablenken, die direkt von globalen Grenzregimen und kolonialen Kontinuitäten betroffen sind. Während der Volunteer-Sektor weiter wächst, reisen viele Menschen mit dem Wunsch zu „helfen“, ohne immer zu hinterfragen, welche Bilder, Erwartungen und Ungleichheiten dabei entstehen. Was richtet Voluntourismus also tatsächlich an – und wie können wir uns engagieren, ohne Schaden zu verursachen?
In dieser Podiumsdiskussion, moderiert von Carolin von glokal e.V., teilen Dolly, Laila und Malika ihre Perspektiven und Erfahrungen. Gemeinsam beleuchten sie, warum Voluntourismus problematisch ist, welche strukturellen Dynamiken ihm zugrunde liegen und wie er sich auf lokale Communities, politische Kämpfe und individuelle Lebensrealitäten auswirkt. Gleichzeitig geht es um die Frage, wie solidarisches Handeln anders aussehen kann: Welche Formen der Unterstützung sind sinnvoll und verantwortungsvoll? Wie können Austausch, Engagement und internationale Zusammenarbeit gestaltet werden, ohne koloniale Muster zu reproduzieren? Und wie können wir uns gegenseitig stärken, statt vermeintliche „Lösungen“ von außen mitzubringen?
Im Anschluss an die Diskussion gibt es Raum für Fragen, Gedanken und Erfahrungen aus dem Publikum. Wir laden euch herzlich ein, mitzudenken, zuzuhören und gemeinsam nach anderen Wegen solidarischen Handelns zu suchen.
Ort: Online über Zoom. Finde den Link hier: https://brueckenwind.org/bildungsarbeit/podiumsdiskussion/
Sprachen: Englisch und Deutsch mit Simultanübersetzung
Referentin:
Dolly Afoumba (sie/ihr) ist promovierte Wirtschaftshistorikerin an der Philipps-Universität Marburg. Sie arbeitet als Fach- und Bildungsreferentin sowie als Trainerin für Anti-Rassismus, Anti-Diskriminierung und Empowerment. Besonders tätig war sie in verschiedenen Entsendeprogrammen der Internationalen Zusammenarbeit. Zudem war sie selbst als Volunteer in einem globalen Programm aktiv, das jeweils drei Monate Arbeit in Deutschland und drei Monate in Kenia umfasste. Ihre Arbeit verbindet Forschung, politische Bildung und journalistische Praxis. In ihren Texten beschäftigt sie sich mit Neokolonialismus in den wirtschaftlichen Nord-Süd-Beziehungen.
Referentin:
Malika Gottstein (sie/ihr) ist aktives Mitglied von Zugvögel – Grenzen überwinden e.V., einem 2012 gegründeten politischen Verein, und engagiert sich seit 2013 in dessen Arbeit. Zugvögel versteht sich als politische Organisation, die sich mit historisch gewachsenen Machtungleichgewichten auseinandersetzt, die sich seit der Kolonialzeit entwickelt haben und bis heute bestehen. Die politische Arbeit des Vereins konzentriert sich auf Bewegungsfreiheit, globale Machtungleichheiten und koloniale Kontinuitäten. Seit elf Jahren organisiert Zugvögel in enger und langjähriger Zusammenarbeit mit Organisationen in Mexiko, Nepal, Uganda, Ruanda und Ecuador einjährige Freiwilligenprogramme für junge Menschen aus dem Globalen Süden in Deutschland. Diese Partnerschaften sind zentral für ihre Arbeit und haben ihre kritische Sichtweise auf Voluntourismus geprägt. Im Rahmen dieser Programme versuchten sie, die Machtverhältnisse, die Freiwilligendiensten innewohnen, zu hinterfragen und bis zu einem gewissen Grad aufzubrechen.
Referentin:
Laila (sie/ihr) ist Aktivistin auf der griechischen Insel Lesbos. Seit sieben Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich für verschiedene Organisationen im Bereich Migration. Sie ist Mitglied eines feministischen Kollektivs und arbeitet als Community Outreach Coordinator beim Legal Centre Lesvos. Sie beobachtet und dokumentiert Gewalt an den Außengrenzen der EU.
Moderatorin:
Carolin Philipp (sie/ihr) hat Politikwissenschaft und Pädagogik studiert und vor 20 Jahren das glokal collective mitgegründet. Die Mitglieder von glokal haben sich zu Beginn mit der Vorbereitung von Freiwilligen, die in den Globalen Süden gehen, beschäftigt und dabei eine kritische Perspektive entwickelt, die seitdem in Veröffentlichungen zum internationalen Freiwilligendienst zum Ausdruck kommt. Mitglieder von glokal aus dem Globalen Süden arbeiten weiterhin daran, Freiwillige aus dem Globalen Süden in Deutschland zu unterstützen. glokal beschäftigt sich hauptsächlich mit dekolonialen Perspektiven in der Entwicklungszusammenarbeit sowie mit globaler Geschichte und Widerständen. Sie führen Workshops zu machtkritischen Perspektiven in verschiedenen Themenbereichen durch.